Namen der von den Nazis ermordeten österreichischen Juden und Jüdinnen auf den Schiefertafeln der Gedenkstätte im Vorraum des Wiener Stadttempels. - © Alexia Weiss
Namen der von den Nazis ermordeten österreichischen Juden und Jüdinnen auf den Schiefertafeln der Gedenkstätte im Vorraum des Wiener Stadttempels. - © Alexia Weiss

Diesen Herbst hätte der Spatenstich für die Schoa-Namensmauern in Wien erfolgen soll. Doch dieser verzögert sich. Seitens des Nationalfonds der Republik Österreich für die Opfer des Nationalsozialismus, einem der Partner dieses Projekts, wird aber betont, dass das Denkmal dennoch wie geplant 2020 fertiggestellt werden soll.

Es war schließlich die türkis-blaue Regierung unter Bundeskanzler Sebastian Kurz, die entschied, diese Erinnerungsmauern zu bauen. Als Standort wurde der Ostarrichipark zwischen Nationalbank und Altem AKH ausgesucht. Bemühungen, die nötigen Mittel in Höhe von rund 5,3 Millionen Euro aufzustellen, verliefen nicht zufriedenstellend, am Ende sagte der Bund zu, das Gros dieses Betrages zu übernehmen.

Es ist ein Projekt mit Hindernissen und eines, das lange nicht in die Gänge kommen wollte. Initiator Kurt Tutter floh als Kind vor den Nationalsozialisten aus Wien nach Kanada. Seine Eltern wurden in Auschwitz ermordet. Ende der 1990er Jahre forderte er erstmals eine Gedenkmauer, auf der die Namen der rund 66.000 von den Nationalsozialisten ermordeten österreichischen Juden und Jüdinnen zu lesen sind. Vorbild ist die Halle der Namen in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem, aber inzwischen auch das 2005 in Paris errichtete Mémorial de la Shoah in Paris.

In Wien wurde 2000 am Judenplatz das Holocaust-Mahnmal von Rachel Whiteread enthüllt. Namen finden sich auch hier, allerdings die aller Konzentrationslager der Nazis, in denen Menschen in der NS-Zeit getötet wurden. Optisch fallen bei diesem Denkmal vor allem die Bücher auf, welche die Fassade des weißen Quaders bilden.

Kurt Tutter äußerte immer wieder Kritik an diesem Mahnmal. Ihm fehlen die Namen der NS-Opfer. An die Namen von Verstorbenen zu erinnern, sie damit eben nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, hat im Judentum Tradition. Das zeigt sich etwa auch darin, dass in Israel nach einem Terroranschlag, Fotos und Namen der Opfer veröffentlicht werden. Mit dem Eingravieren der Namen wird zudem eine Art Grabstätte für Menschen geschaffen, die meist kein Grab haben, da viele der Leichen vom NS-Terrorstaat verbrannt wurden.

Gedenkstätte im Vorraum des Stadttempels

Allerdings: es gibt in Wien bereits einen Ort, an dem die Namen der Ermordeten in Stein gemeißelt wurden. Dieser befindet sich in der Seitenstettengasse. 2002 wurde im Vorraum des Stadttempels eine Gedenkstätte errichtet. Auf drehbaren Schiefertafeln wurden die damals bekannten rund 65.000 Namen von von den Nationalsozialisten ermordeten österreichischen Juden und Jüdinnen eingraviert. In der Mitte der Tafeln steht eine abgebrochene Granitsäule als Zeichen für das von den Nazis vernichtete jüdische Gemeinwesen. In den Schiefertafeln kann man symbolisch wie in einem Buch blättern. Vor dem Mahnmal liegt zudem auf einem Tischchen ein Buch, in dem nochmals die Namen aller von den Nazis ermordeten österreichischen Juden und Jüdinnen geschrieben stehen und in diesem Buch können Besucher auch tatsächlich blättern.