"2., Schiffamtsgasse 5, 9.15 Uhr. Brannten der Alter und Einrichtungsgegenstände in dem ebenerdigen aus zwei Räumen bestehenden jüdischen Bethaus. Das Feuer wurde mit einer Schlauchlinie abgelöscht und die angebrannten Teile ausgeräumt." – "13., Neue Weltgasse 2, 9.35 Uhr. Die Umgebung des brennenden Tempels, der einen Grundriss von ungefähr 30 x 12 m hatte, wurde mit 6 Schlauchlinien unter Zuschaltung von 3 Pumpen und 3 Hydranten gesichert." – "2., Tempelgasse 3, 10.20 Uhr. Brannte die gesamte Inneneinrichtung und Teile des Dachstuhles der Synagoge. Das Feuer wurde mit 5 Strahlrohren nach ca. 5 ½ Stunden abgelöscht. Die Nachbarobjekte wurden mit 3 Strahlrohren gegen ein Übergreifen des Feuers abgesichert." – "6., Stumpergasse 42, 10.12 Uhr. Brannte ein Teil der Einrichtung des Tempels. Übergreifen des Feuers auf das Dach und eine unmittelbar darüber gelegene Werkstätte im ersten Stock des linken Hofseitentraktes mit einer Schlauchlinie verhindert. Brandnester abgelöscht." – "10., Humboldtgasse 7, 10.20 Uhr. Sprengung des Tempels. Umliegende Häuser untersucht, keine Brandschäden." – "3., Untere Viaduktgasse 1, 10.29 Uhr. Das Bethaus untersucht, keine Brandnester vorgefunden."

Die Zerstörung der Wiener Bethäuser und Synagogen war nicht nur von den Nationalsozialisten geplant, sie wurde auch behördlich genauestens dokumentiert. "Artists for Austria" gestalteten aus den Einträgen des Brand-Tagebuches aus dem November 1938 eine beklemmende Klanginstallation, unterlegt mit dem Klirren von zerbrechendem Glas. Sie begleitete Donnerstag Abend den diesjährigen "Light of Hope", der seit sechs Jahren von der Jugendkommission der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien in Erinnerung an die Novemberpogrome veranstaltet wird und dieses Jahr vom Heldenplatz zum Judenplatz führte.

Im Haus der Geschichte Österreichs wurde zuvor die beeindruckende Ausstellung "Nicht mehr verschüttet. Jüdisch-österreichische Geschichte in der Wiener Malzgasse" eröffnet. 2018 entdeckte der Schulverein Machsike Hadass in der Malzgasse 16 bis dahin unbekannte Kellerräume, die von den Nationalsozialisten mit Schutt zugeschüttet worden waren sowie die Überreste der Synagoge, die 1938 zerstört wurde. Auch zur Malzgasse gibt es einen Eintrag im Brand-Tagebuch aus der NS-Zeit: "2., Malzgasse 16, 12.20 Uhr. Brannte die 4-stöckige israelitische Volksschule in allen Stockwerken, sowie das anschließende Bethaus. Es bestand die Gefahr eines Übergreifens des Feuers auf nebenan gelegene Wirtschaftsgebäude sowie auf das hinter dem Bethaus gelegene Haus."