Wurfbrandsätze aus dem Jahr 1938

Diese Zeilen lesen sich ebenso beklemmend wie sich manche der Funde aus der Malzgasse anfühlen: Ausgestellt sind etwa auch zwei Wurfbrandsätze. So sieht gewalttätiger Antisemitismus aus, nun unter Glas gestellt und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Erwin Steiner, Obmann des Schulvereins Machsike Hadass, sowie Arieh Bauer, Geschäftsführer des Schulvereins – er war die treibende Kraft hinter den Ausgrabungen – sowie Ausstellungskuratorin Birgit Johler und die Direktorin des Hauses der Geschichte Österreich, Monika Sommer, führten Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein und die IKG-Führung kurz vor der offiziellen Eröffnung durch die Ausstellung. "Wie ein archäologisches Feld" seien die Funde präsentiert, erklärte dabei Sommer – und treffender könnte man es nicht formulieren: der Besucher wandert quasi rund um die Ausstellungsvitrine und sieht auf verkohltes Holz, verkohlte Reste von Gebetsbücher, Scherben, Fragmente von Grabsteinen, aber auch erhaltene Flaschen, Tintenfässer und andere Alltagsgegenstände wie Geschirr hinab. Mittendrinnen befinden sich die beiden Brandsätze.

Bierlein meinte in ihrer anschließenden Eröffnungsrede, sie danke im Namen der Republik, "dass Sie mit Gegenständen der Geschichte ein Gesicht geben" und dafür, "dass Sie dem niemals vergessen einen weiteren Ort des Begreifens und Erinnerns hinzugefügt haben". Sie habe kürzlich auch die ehemalige NS-Tötungsanstalt Hartheim besucht. Die Jahrzehnte nach der NS-Zeit seien bedauerlicherweise vom Verdrängen und Vergessen geprägt gewesen. "Es gibt weder Wiedergutmachung noch Entschuldigung. Sechs Millionen Tote sind durch nicht zu entschuldigen. Das heißt aber nicht, untätig bleiben zu dürfen." Später habe es dann doch mit dem Nationalfonds und Entschädigungsfonds symbolische Gesten für die Opfer gegeben, die auch zur Sensibilisierung für die Situation der Opfer beigetragen hätten. Es sei gerade ihre Generation, die eine Verantwortung zur Aufarbeitung der Geschichte trage, so die Kanzlerin. Menschen, die direkte Zeugenschaft ablegen könnten, würden immer weniger. "Wir haben die Verpflichtung, die wichtige Arbeit der Überlebenden fortzuführen."

Die Malzgasse 16 sei "ein Teil der österreichischen Identität", betonte Bierlein. Dort war auch weltweit das erste jüdische Museum untergebracht. Die Endstation des heurigen "Light of Hope", der Judenplatz, zeugt von noch wesentlich älterem jüdischen Leben in Wien. Dort kann man heute in einer Außenstelle des Jüdischen Museums Wien noch unterirdisch die Überreste der mittelalterlichen Synagoge ansehen.