"Meschugge darf man sein, aber nicht verrückt", heißt das neue Buch von Topsy Küppers. Wer sie daraus lesen hören möchte, kann dies beim heurigen Yiddish Culture Festival Vienna tun, das diesen Sonntag beginnt. Gemeinsam mit der Sängerin und Kantorin Svetlana Kundish, dem Musiker Alan Bern (Klavier und Akkordeon) und dem Klezmer-Violonisten Mark Kovnatskiy, auch Leiter der Hamburg Klezmer Band, gestaltet Küppers den Abend "Oj, Mame, bin ich farlibt!". Ein Abend über die Liebe klingt nach einem vergnüglichen Programm – wie das Festival insgesamt so angelegt ist, positive Emotionen zu schüren.

Vielleicht geht es ja nur mir so, aber dieses Festival rührt mich mit seiner in viel Musik und Humor eingebetteten Nostalgie. Und da gibt es auch heuer jede Menge davon, etwa wenn Klezmer Reloaded und Inge Maux "Jiddischkeiten" präsentieren oder die liebe Shlomit Butbul gemeinsam mit ihrer Band und Gerhard Ernst unter dem Titel "Amol iz gewen a maisse" eine Reise durch die jüdischen Kulturen ihrer Familie antritt. Diese startet im polnischen Schtetl, führt sie dann in den Orient und wieder zurück nach Europa, in das heutige Wien. So entsteht eine Mischung aus europäischen, orientalischen und jazzigen Klängen.

Mandys Mischpoche wiederum stellen gemeinsam mit Joesi Prokopetz Wien in den Mittelpunkt ihres Abends "Wien, Wien, nor du aleyn". Eine Melange wird aber auch hier zu hören sein, in diesem Fall aus Wiener, jüdischen und Balkan-Klängen. Weitere Künstler und Künstlerinnen, die im Rahmen des Festivals zu sehen und hören sein werden, sind Michael Mertens, Ethel Merhaut. Daniel Serafin, Ondrej Janoska und Bela Koreny ("Nu, vielleicht ..."), der Wiener Jüdische Chor, die Schalom!-Band sowie Wolfgang Böck ("Mazel tov!"), die Theatergruppe Glatt Jiddisch ("Purimshpil") und das Wiener Klezmer Orchester mit Küf Kaufman ("Le’Chaim!").

"Swingin’ Chanukka"

Mein ganz persönliches Highlight wird aber auch heuer wieder der Abend "Swingin’ Chanukka" im Metropol sein. Der Musiker und Komponist Roman Grinberg, der das Festival künstlerisch leitet, mischt hier gemeinsam mit dem Jazzorchester Klezmetropol und der Sängerin Tini Kainrath Klezmer, Swing und Bossa Nova und das sorgt für beschwingte Laune, die noch Tage nach so einem Konzert anhält. Weihnachtskonzerte gibt es im Advent viele – Chanukkaprogramme sind naturgemäß spärlicher gesät. Umso feiner ist es, wenn es dann etwas gibt, auf das man sich schon freuen kann, auch weil man weiß, was einen erwartet und wie gut einem das tut. "Achtsamkeit" ist derzeit in aller Munde – sich mit Feelgood-Musik etwas Gutes zu tun, fällt für mich auch darunter.

"Manche wundern sich, dass jüdische Künstler in Wien wieder so selbstbewusst auftreten – nach allem, was Juden hier so erlebt haben", sagt der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien, Oskar Deutsch. Das Selbstbewusstsein sei allerdings nicht selbstverständlich, denn ständig würden Juden damit konfrontiert, dass sich alter Hass neue Wege suche.

Das Yiddish Culture Festival Vienna, das vom Förderverein des Jüdischen Instituts für Erwachsenenbildung (JIFE) veranstaltet wird, zeigt dagegen vor allem eines: viel Herz. Das verbindet und schafft gute Stimmung. Natürlich kann man immer bedauern, dass so vieles an Kultur war, was heute nicht mehr ist. Man kann sich aber auch darüber freuen, was heute möglich ist. Und was an jüdischer und jiddischer Kultur in Österreich möglich ist, zeigen Künstler und Künstlerinnen wie Roman Grinberg, Shlomit Butbul oder Mandys Mischpoche nicht nur bei diesem Festival, sondern mit ihren diversen Programmen das ganze Jahr über.