Die italienische Polizei ließ diese Woche eine Neonazi-Gruppe auffliegen. Sie wollte eine "Italienische Nationalsozialistische Arbeiterpartei" gründen. Vorbei die Zeiten, in denen man zumindest mit kreativen Wortschöpfungen den alten Geist sprachlich zu verbrämen versuchte. Im Jahr 2019 gibt es wieder Menschen, die stolz in die Welt hinausrufen, dass sie Nazis sind. Rekrutiert hat die rechtsextreme Bewegung in sozialen Netzwerken.

Alexia Weiss - © Paul Divjak
Alexia Weiss - © Paul Divjak

Dort machte dieser Tage auch die deutsche Bundeswehr von sich reden. Auf ihrem Instagram-Account wurde das Foto einer Uniform eines Wehrmachtmajors gepostet, auf der Orden mit Hakenkreuz angebracht waren. Die Bildunterschrift erklärte: "Auch Mode ist ein Aspekt. Bis heute halten sich militärische Stilelemente in der Haute Couture." Zudem wurde das Bildsujet mit einem blinkenden "Retro"-Schriftzug versehen.

Der Beitrag sollte auf eine laufende Ausstellung im Militärhistorischen Museum in Dresden hinweisen, die sich mit dem Einfluss der Uniform auf Mode befasst. Allerdings war das gewählte Foto gar keine Abbildung eines Exponats der aktuellen Schau, sondern eine Uniform aus dem Film "Operation Walküre". Inzwischen ist das Bild gelöscht, das deutsche Verteidigungsministerium entschuldige sich für den Fehler, meinte aber auch, ein politischer Hintergrund könne ausgeschlossen werden. Ein blinkendes "Retro"-Schild auf einem Foto, das eine Uniform aus der NS-Zeit darstellt? "Seriously?", möchte ich rufen.

In Wien machte indessen wieder einmal eine WhatsApp-Gruppe von Studierenden von sich reden. Man möchte meinen, dass die Aufregung um befremdliche Einträge in solch einer Gruppe von Jus-Studierenden der Universität Wien vor zwei Jahren klar gemacht hat, dass Rechtsextremes in einer solchen Chatgruppe zu posten einerseits ein No-Go ist und andererseits bei Bekanntwerden für entsprechende negative Öffentlichkeit sorgt. Aber nein. Nun war es eine Gruppe von Physik-Studierenden, die Antisemitisches und Holocaust-Verharmlosendes austauschten.

Das Rektorat der Uni Wien erstattete nach Bekanntwerden umgehend Anzeige. Der Dekan machte klar, dass das inakzeptabel ist und so gar nicht dem Geist der Uni entspricht. Und dann sieht man sich die geposteten Memes an und fragt sich: Warum tun diese Studierenden das? Warum posten sie Einschlägiges in Gruppen, in der jeder weiß, wer der andere ist? Hier kommt ja nicht einmal die Anonymität des Netzes zu tragen. Hier fanden Gleichgesinnte zueinander, Menschen übrigens, denen man in einer groben Einschätzung nicht nachsagen kann, sie seien in der Gesellschaft zu kurz gekommen, sie seien Verlierer. Wer Physik studiert, hat Interesse an komplexen Zusammenhängen, hat Interesse zu erforschen, wie die Welt funktioniert.