Das Spiel mit der Provokation ist eines der Markenzeichen der Künstler und Künstlerinnen des "Zentrums für Politische Schönheit". Aktuell wurde in Berlin zwischen Reichstag und Bundeskanzleramt eine Säule aufgestellt, die Asche von Menschen, die im Nationalsozialismus ermordet und verbrannt wurden, enthalten soll. "Die Gedenkstätte gegen den Verrat an der Demokratie" nennen die Kunstschaffenden das Mahnmal. Über den Inhalt der Säule formulieren sie im Begleittext zum Projekt ganz klar: "Das Zentrum für Politische Schönheit hat die Asche der Ermordeten Hitler-Deutschlands jetzt ins Regierungsviertel überführt. Die Toten befinden sich an dem Ort, an dem 1933 die Demokratie beseitigt wurde."

Damit die Säule, die temporär bis Samstag (7. Dezember) aufgestellt wurde, fix einzementiert werden kann, bat das "Zentrum für Politische Schönheit" um Spenden. Benötigt wurden dazu 50.000 Euro – binnen kurzem wurde der Betrag erreicht. Die Spendenaktion läuft, wie auf der Homepage ersichtlich, dennoch weiter – Dienstag Vormittag wurden bereits über 80.000 Euro an Spenden ausgewiesen. Erworben werden können dabei beispielsweise um 50 Euro so genannte Schwurwürfel – mit Erdproben aus den Grabungen, mit denen man nach menschlichen Überresten suchte. Würfel also mit den Überresten toter Juden. Erhältlich sind diese auch als Teil eines "Weihnachtspakets", gemeinsam mit einem Buch, Postern, Postkarten.

Ich fand beim ersten Lesen über dieses neue Projekt schon die Vorstellung, in der nun in Berlin aufgestellten Säule könnte sich menschliche Asche befinden, befremdlich. Observante Jüdinnen und Juden glauben an den Maschiach. Wenn er dereinst kommt, werden die Toten wieder lebendig. Juden und Jüdinnen werden nach ihrem Ableben niemals eingeäschert. Bestattet wird immer der ganze Körper – und das Grab wird nicht aufgelöst. Daher gibt es noch die jüdischen Friedhöfe mit den alten Gräbern, daher ist deren Erhaltung und Pflege zum Beispiel in Österreich eine bis heute so große Aufgabe. Eine kleine jüdische Gemeinde muss sich um die Gräber einer einstmals großen Community kümmern. Inzwischen kommt hier der Staat nach und nach seiner Verantwortung nach – dies war Teil des in Washington 2001 ausverhandelten Abkommens zwischen Österreich, den USA und Opferverbänden. Friedhöfe wie jener in Währing oder das Erste Tor am Zentralfriedhof zeigen, was für eine Mammutaufgabe das ist.