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Alexia Weiss - © Paul Divjak
Alexia Weiss - © Paul Divjak

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Baruch Dayan HaEmet – Gelobt sei der wahrhaftige Richter.

In den USA wurden diese Woche in Jersey City wieder einmal Menschen nur deshalb getötet, weil sie sich an einem Ort aufhielten, der vermuten ließ, dass dort Juden anzutreffen sind. Es wurden Menschen in einem koscheren Geschäft erschossen. Es ging darum, Juden zu töten.

Dass dem so ist, war nicht sofort klar. Zunächst hieß es, die Ermittlungen zeigen nicht unbedingt ein antisemitisches Motiv für die Tat, der Laden sei wahrscheinlich zufällig zum Anschlagsort geworden. Es gibt da jedoch diesen Spruch, der bei solchen Begebenheiten meist anzuwenden ist: Was aussieht wie ein Ente und quackt wie eine Ente, ist auch eine Ente. Inzwischen ist klar: es handelte sich um eine gezielte antisemitische Attacke.

Jersey City ist weit von Österreich entfernt und hat mit der Lebensrealität österreichischer Juden und Jüdinnen nichts zu tun. Einerseits. Andererseits hat jedes antisemitische Attentat mit jeder jüdischen Gemeinde weltweit zu tun. Antisemitismus war schon immer ein globales Phänomen – es gab ihn auch schon vor 100 Jahren gleichzeitig in Staaten Europas und Staaten der USA. In Europa führte er zum industriellen Massenmord. Was aber nicht heißt, dass Jüdinnen und Juden in Amerika nicht auch Anfeindungen und Ausgrenzung ausgesetzt gewesen wären. Ihnen wurde teils der Zugang zu Eliteunis erschwert oder der Zugang zu Wohnanlagen oder Clubs verwehrt. In den 1930er Jahren gab es zum Beispiel den beliebten katholischen Fernsehprediger Charles Coughlin, der Juden für die wirtschaftlichen Probleme der USA verantwortlich machte und Ghettos forderte. In den 1920er Jahren fuhr der Industrielle und Verleger Henry Ford in seiner Zeitung "The Dearborn Independent" und mit dem Buch "The International Jew. The World’s Foremost Problem" eine antisemitische Kampagne.

Erfuhr man vor 100 Jahren jedoch nicht so detailliert von jedem antisemitischen Vorfall, der sich irgendwo in der Welt ereignete, ist dies heute mit Internet und Digitalisierung anders. Wenn in Jersey City Menschen in einem Lebensmittelgeschäft erschossen werden, fühlt es sich nicht viel anders an als wenn ein Attentäter in Deutschland versucht, in eine Synagoge einzudringen. Und wenn Menschen berichten, wie sie sich in Halle in der Synagoge verbarrikadierten, dann denkt man daran, wie es wäre, wenn so etwas in der Synagoge passiert, die man selbst besucht.