Weihnachten und Chanukka werden heuer wieder einmal gleichzeitig gefeiert – das jüdische Lichterfest beginnt diese Woche Sonntag Abend und dauert acht Tage. Die christliche Geburtstagsfeier für Jesus ist inzwischen das kollektive Geschenkefest schlechthin. Doch auch zu Chanukka schenken viele vor allem den Kindern Kleinigkeiten und nicht immer ist es das traditionelle Chanukka-Gelt (ob als echtes Geld oder in Schokolademünzengestalt). Da kommen Bücher ins Spiel.

Auch wenn das Lesen auf Grund der immer dichter getakteten Arbeits-, aber auch Schul- und Studienwelt sowie zahlreicher elektronischer Zeitfresser vom Smartphone bis zum Tablet und von Social Media bis zur virtuellen Spielewelt zunehmend als Freizeitbeschäftigung ins Hintertreffen gerät, ist das Buch doch auch immer noch ein gern gegebenes und gern empfangenes Präsent. So sehe ich das jedenfalls – ich freue mich über jedes geschenkte Buch (sofern es nicht völlig meinem Lesegeschmack widerspricht) oder aber auch über Büchergutscheine, die nicht nur Bücher, sondern auch wunderbare Zeit des Schmökerns und Aussuchens im Buchladen bescheren.

Aber. Da gibt es auch noch eine andere Seite. Manches Mal beschleicht mich das Gefühl, dass Bücher einen auch erdrücken können. Kleidung auszumisten, fällt leicht, sich von Hausrat zu trennen, ebenso. Für all diese Güter des Alltags finden sich auch immer noch Abnehmer. Gläser, Tassen, Teller: das kann schnell mal jemand brauchen, ob das nun die Kinder von Bekannten sind, die eine Studenten-WG gründen, oder Geflüchtete. Aber Bücher? Bücher gibt man nicht her. Sie zeigen nicht zuletzt auch ein bisschen, wer man ist.

Auf sie ist man stolz. Ja, auch darauf, sie gelesen zu haben. Die eigene Bibliothek bildet Lebensphasen ab. Wenn man vor der Bücherwand steht und ein Buch herausnimmt, dann erinnert man sich, wo man es gekauft hat, von wem es einem geschenkt wurde und wann und wo man es gelesen hat. In welcher Stimmung man war oder in welche Stimmung es einen gebracht hat. Vielleicht ist es das etwas übertrieben, wenn es um Sachbücher geht. Aber der Großteil meiner Büchersammlung ist Literatur. Und Romane versetzen einen immer in irgendeine Art von Stimmung.

Deutsche Bücher in Emigrantenwohnungen

Ich habe vor ein paar Monaten ein Interview mit dem brasilianischen Literaturwissenschafter, Übersetzer und Schriftsteller Luis Krausz geführt. Seine Großeltern stammten aus Österreich, wir haben uns über die Emigrantenwelt der Nachkriegszeit in São Paulo unterhalten. Er habe die Wohnungen deutschsprachiger Juden dort als so unterschiedlich zu jenen brasilianischer Familien empfunden. Und dann als Erwachsener gemerkt, die Wohnungen der meisten Juden, die aus Deutschland oder Österreich emigriert sind, schauten ähnlich aus, egal ob sie sich in Brasilien, Israel oder den USA befanden. Woran er das festmachen konnte? Etwa daran: "In den Bücherregalen standen deutsche Bücher."