Weihnukka. Es gibt Menschen, die mögen diesen Begriff und andere lehnen ihn ab. Ich denke, es kommt darauf an, was man darunter versteht. Weihnachten ist ein christliches Fest und Chanukka ein jüdisches. Gefeiert wird zwar in beiden Fällen mit Licht und Kerzen, aber der Grund zur Freude ist doch ein gänzlich unterschiedlicher. Weihnachten erinnert an die Geburt Jesus, Chanukka an den Sieg der Makabäer gegen die Griechen (die das Praktizieren des Judentums untersagt hatten) sowie die Wiedereinweihung des zerstörten Tempels in Jerusalem. Während Weihnachten also an den Mann erinnert, ohne den es das Christentum nicht gäbe, feiert man zu Chanukka, dass freie Religionsausübung möglich ist. Das wird dann auch nach außen gezeigt: die Chanukkia wird oft ans Fenster gestellt, so kann man auch von der Straße aus sehen, dass in diesem Haushalt das jüdische Lichterfest begangen wird.

Gestern Abend wurde das vierte Chanukka-Licht gezündet. Die etwas höher gesetzte Kerze ist der Schamasch, mit ihm werden die anderen Lichter entzündet.   - © Alexia Weiss
Gestern Abend wurde das vierte Chanukka-Licht gezündet. Die etwas höher gesetzte Kerze ist der Schamasch, mit ihm werden die anderen Lichter entzündet.   - © Alexia Weiss

Weihnukka ist für mich daher nicht die Vermischung dieser beiden doch sehr unterschiedlichen Feste. Kürzlich kam mir auf einer US-amerikanischen Seite ein Türschmuck in Form eines Kranzes unter, aus Kugeln, wie sie sonst an Christbäumen hängen, in Blautönen gehalten. Zum Verkauf angeboten wurde dieser Kranz als Chanukkaschmuck. Das ist dann doch ein bisschen zu viel für meinen Geschmack und ja, Ausdruck von Überassimilation. Man könnte auch sagen: das ist jüdisches Selbstbewusstsein – oder: nein, das ist es eben nicht. Selbstbewusst ist es, das Eigene stolz nach außen zu tragen. Das Eigene so zu camouflieren, dass es den Traditionen der Mehrheitsgesellschaft entspricht, ist Anpassung und dann ist die Frage, wann kippt diese Anpassung in die Verleugnung der eigenen Identität.

Am gestrigen Mittwoch, dem ersten Weihnachtstag und dem Abend, an dem dieses Jahr das vierte Licht am Chanukka-Leuchter gezündet wurde, verabschiedete sich der Moderator des ORF-TV-Nachrichtenformats "ZiB20" mit Weihnachtswünschen und einem "happy Chanukka". Das war erfrischend. Das war wertschätzend. Das zeigte einen Hauch von Normalität im gegenseitigen Miteinander. Und à propos Miteinander: heuer fallen Weihnachten und Chanukka zeitlich zusammen. Während die einen Dienstag Abend die Kerzen am Christbaum anzündeten, brannte bei den anderen das dritte Licht. Genau das macht für mich Weihnukka aus. Ich zünde zu Hause abends die Kerzen, esse Latkes mit Apfelmus und spiele das Dreidelspiel, aber wenn ich hinausgehe, dann ist dort Weihnachten. Gestern führte uns ein netter Feiertagsspaziergang etwa in die Innenstadt. Der um den Stephansplatz gruppierte Weihnachtsmarkt war noch geöffnet, der Duft von Zimt und Punsch lud zum Verweilen ein. Und ja, sogar Kartoffelpuffer werden dort angeboten, handgefertigte, nicht industriell vorproduzierte, die den traditionellen Latkes ziemlich ähnlich schauen.