27. Jänner 2020. Heute vor 75 Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit. Seit 2006 wird dieser Tag weltweit als Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust begangen. Dabei gibt es lokale Gedenkfeiern wie jene des Bündnisses "Jetzt Zeichen setzen!" heute um 18.00 Uhr am Heldenplatz. Beim Wiener Gedenken wird auch eine Überlebende der Schoa sprechen: Susanne Bock.

In "Jojo Rabbit" verhilft ein imaginärer Hitler dem zehnjährigen Jojo zu mehr Selbstbewusstsein. Ein passender Filmbeitrag des neuseeländischen jüdischen Regisseurs Taika Waititi 75 Jahre nach der Befreiung des KZ Auschwitz. - © Fox Searchlight Pictures
In "Jojo Rabbit" verhilft ein imaginärer Hitler dem zehnjährigen Jojo zu mehr Selbstbewusstsein. Ein passender Filmbeitrag des neuseeländischen jüdischen Regisseurs Taika Waititi 75 Jahre nach der Befreiung des KZ Auschwitz. - © Fox Searchlight Pictures

Die Fast-100-Jährige wurde 1920 in Wien geboren, 1938 gelang ihr die Flucht mit Stationen in Italien und Frankreich nach England. Dort musste sie immer neue Jobs erlernen, um sich durchzubringen. Nach Kriegsende ging sie zunächst in die Tschechoslowakei, nachdem sie in England einen slowakischen Flüchtling, Kommunisten und Spanienkämpfer geheiratet hatte. Doch dort war sie als Jüdin und Deutsch Sprechende erneut Anfeindungen ausgesetzt. So machte sie sich nochmals auf den Weg, dieses Mal zurück in die alte Heimat Wien – streckenweise auch zu Fuß. Hier hat sie sich gemeinsam mit ihrer Jugendliebe Wolfgang Bock eine nun bleibende Existenz aufgebaut, hier hat sie sich in der Pension auch den Traum eines Universitätsstudiums erfüllt.

Überlebende zu bitten, über das Grauen von damals und ihr Überleben zu erzählen: das ist stimmig. Das sichert ein würdiges Gedenken. An diesem Tag im Jahr sollen die Opfer des NS-Terrorregimes im Mittelpunkt stehen. Indem man der Toten gedenkt und zuhört, was die nur mehr wenigen Überlebenden zu erzählen haben, erhält man die Erinnerung aufrecht und genau diese Erinnerung mahnt, dafür zu sorgen, genau hinzuschauen, damit ein derartiger Massenmord nicht mehr passiert. Und dabei geht es nicht nur um einen zu verhindernden Massenmord an Jüdinnen und Juden, es geht darum hochzuhalten, dass Menschen grundsätzlich nicht entrechtete werden dürfen, nur weil sie einer bestimmten Gruppe angehören.

Auch in der NS-Zeit waren Juden und Jüdinnen zwar die größte, aber nicht die einzige Verfolgten-Gruppe. Bis heute kämpfen zum Beispiel Roma und Sinti, dass die Verbrechen, die an ihren Vorfahren begangen wurden, allgemein bewusster werden. Und sie haben – man blicke etwa nach Ungarn – bis heute mit Vorurteilen und Ausgrenzung zu kämpfen. Man könnte einwenden: Und Juden haben auch in Europa mit einem erstarkenden Antisemitismus zu kämpfen. Das stimmt leider – und der Schrecken von Halle sitzt noch im Nacken. Dennoch gibt es ein breites Bewusstsein darüber, welchen Schnitt in die Zivilisation die Schoa gemacht hat.