Hände waschen, Hände waschen, Hände waschen: seit vergangener Woche ruft die Führung der jüdischen Gemeinde Wien die Mitglieder zu dieser Hygienemaßnahme auf, um einer Ausbreitung des Coronavirus Covid-19 vorzubeugen. In allen Synagogen, jüdischen Schulen und anderen Einrichtungen der Gemeinde stehen zudem Händedesinfektionsmittel bereit.

Auch eine Maßnahme, um die Verbreitung des Coronavirus hintanzuhalten: auf das Küssen der Mesusa verzichten. - © Alexia Weiss
Auch eine Maßnahme, um die Verbreitung des Coronavirus hintanzuhalten: auf das Küssen der Mesusa verzichten. - © Alexia Weiss

Sowohl Israels Oberrabbiner David Lau als auch die Europäische Rabbinerkonferenz raten nun zudem davon ab, Mesusot zu küssen. Die Mesusa ist eine Kapsel, in dem das Gebet Schma Israel enthalten ist. Sie wird in jüdischen Einrichtungen und Haushalten an Türrahmen angebracht und zwar leicht schräg, wobei die geneigte Spitze in den Raum hineinzeigt. Viele observante Jüdinnen und Juden küssen die Mesusa, bevor sie eine Wohnung oder einen Raum betreten, indem sie die Fingerspitzen der rechten Hand zuerst an die Mesusa und dann zum Mund führen. Oberrabbiner Lau unterstrich in einem Statement, es gebe kein religiöses Gebot, dies zu tun. Es handle sich dabei lediglich um einen Brauch.

Jewrovision in Berlin abgesagt

Öfter die Hände zu waschen und auf das Küssen der Mesusa (aber auch von gemeinschaftlichen Gebetsbüchern, wie die Europäische Rabbinerkonferenz ebenfalls rät) zu verzichten, sind noch keine große Einschränkung. Inzwischen stehen aber bereits die ersten Absagen von Veranstaltungen fest. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat die für dieses Wochenende in Berlin geplanten Jewrovision abgesagt. Zu dem Tanz- und Gesangswettbewerb für jüdische Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 19 Jahren reisen auch immer wieder gerne Schüler und Schülerinnen aus Wien an. Die Veranstalter stellten nun in Aussicht, dass der Wettbewerb im Herbst stattfinden könnte.

In Wien sagte indessen die Wohltätigkeitsorganisation Wizo ihre traditionelle Purim-Feier am kommenden Sonntag Nachmittag ab. Bei dieser jährlichen Party gibt es Bastelstationen, Buffet, Spiele und Tanz für Kinder bis zwölf Jahre sowie ihre Eltern, die Einnahmen wären Wizo-Projekten zum Schutz von Kindern und Frauen in Israel zu Gute gekommen. An den Purimfeiern in den Synagogen hält die Wiener jüdische Gemeinde aber fest. In allen Synagogen Wiens werde am Montag Abend und Dienstag in der Früh aus der Megilla gelesen, informierte die IKG Wien ihre Mitglieder. In dieser wird die Geschichte von Esther erzählt, die im früheren Persien das jüdische Volk rettete. Zu diesen Gottesdiensten kommen Kinder, aber auch viele Erwachsene verkleidet. Das traditionelle Essen sind Hamantaschen – ein dreieckiges süßes Gebäck, das mit Mohn oder Powidl gefüllt wird. Benannt sind sie nach Haman – er war in der Purimgeschichte der Bösewicht, der die Juden umbringen lassen wollte.

Einreiseverbot in Israel

Die nächsten größeren Feiertage im jüdischen Jahreskreislauf stehen im April mit Pessach an. Und hier kündigen sich Coronavirus-bedingt gröbere Einschnitte an. Viele Diaspora-Juden und auch viele Mitglieder der Wiener jüdischen Gemeinde verbringen die Pessach-Woche gerne entweder bei der Familie oder in einem Hotel in Israel. Doch nun verkündete Israel ein Einreiseverbot für Menschen mit Wohnsitz in mehreren europäischen Staaten, darunter auch Österreich. Dieses tritt morgen in Kraft. Ausnahmen gibt es für österreichische Staatsbürger, die in Israel arbeiten oder studieren beziehungsweise einen Wohnsitz haben. Sie müssen aber für 14 Tage nach ihrer Einreise in Quarantäne. Das gilt auch für israelische Staatsbürger, die sich derzeit in Österreich aufhalten und ab dem morgigen Freitag nach Israel fliegen.

Hier sind nun noch viele Fragen offen, die wohl erst nach und nach beantwortet werden können. Wie ist das beispielsweise mit den Flügen? Werden überhaupt alle Flüge durchgeführt und was passiert mit bereits gebuchten Tickets? Wie ist das mit in Israel studierenden Kindern, die umgekehrt zu Pessach ihre Familie in Wien besuchen? Macht das Sinn, wenn sie sie sich bei ihrer Rückkehr an den Studienort in eine zweiwöchige Quarantäne begeben müssen?

Keine Großveranstaltungen

Schon derzeit sind tausende Menschen in Israel in Quarantäne – die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten liegt allerdings noch unter jener von Österreich. Mit den rigorosen Maßnahmen will Israel die Ausbreitung des Virus gezielt eindämmen, wie das Außenministerium gestern mitteilte. Untersagt ist nun auch das Abhalten internationaler Konferenzen in Israel sowie von Großveranstaltungen mit mehr als 5.000 Teilnehmern. Israelische Mitarbeiter im Gesundheitswesen dürfen zudem derzeit nicht aus Israel ausreisen.

Überzogene Maßnahmen oder gutes Krisenmanagement? Israel zeigt einmal mehr, dass es gewohnt ist, aktiv und entschlossen zu handeln und nicht erst nach und nach zu reagieren. Ob sich damit der Virus langsamer verbreitet als anderswo? In einem Jahr werden wir wohl mehr wissen. Vielleicht wird es 2021 auch wieder möglich sein, unbeschwert zu Pessach nach Tel Aviv oder Jerusalem zu fliegen.