"Die Nachricht vom Tod von Gideon Eckhaus erfüllt mich mit großer Traurigkeit", erklärte die Generalsekretärin des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus, Hannah M. Lessing am Montagabend. Soeben war bekannt geworden, dass der Gründer und langjährige Vorsitzender des Zentralkomitees der Juden aus Österreich in Israel und der Vereinigung der Pensionisten aus Österreich in Israel in Tel Aviv im alter von fast 97 Jahren verstorben war.  "Gideon Eckhaus, der große Kämpfer für die Anliegen der Überlebenden des Holocaust, war mir mit seiner unermüdlichen Kraft immer ein Vorbild", so Lessing. "Österreich verliert mit ihm einen wortgewaltigen Zeitzeugen und Mahner, die Schrecken des Nationalsozialismus nicht zu vergessen. Das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, das ihm 2013 verliehen wurde, war nur ein kleiner Ausdruck des Dankes."

Auch Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) zeigte sich tief betroffen: "Ich erinnere mich noch gut an meine Begegnungen mit ihm in Tel Aviv im Café der Altösterreicher, die wie er vor den Nazis fliehen konnten. Wenn er gesprochen hat, wurde es ruhig um ihn herum. Seinen Angehörigen möchte ich meine tief empfundene Anteilnahme in dieser schweren Stunde aussprechen."

1938 aus Wien über Triest nach Palästina geflüchtet

Gideon Eckhaus wurde am 3. Juli 1923 in Wien als Sohn des Kaufmanns Karl Eckhaus und dessen Frau Sabine geboren, seine Mutter starb früh. Nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich flüchtete Gideon nach Triest und 1939 per Schiff weiter nach Palästina. Das Geschäft seines Vaters wurde liquidiert, sein Vater in Auschwitz ermordet. In Israel wirkte Gideon Eckhaus in vielen Funktionen maßgeblich am Aufbau des jungen Staates mit.

Nach seiner Pensionierung gründete er gemeinsam mit Leo Luster das Zentralkomitee der Juden aus Österreich in Israel und der Vereinigung der Pensionisten aus Österreich in Israel. In eindrücklicher Erinnerung bleibt sein Engagement, mit dem er aus Österreich stammende Überlebende in Israel unterstützte – sei es in sozialer Hinsicht durch Treffen in dem kleinen Vereinslokal in Tel Aviv oder durch Unterstützung bei der Beantragung von Entschädigungsleistungen oder Pensionen aus Österreich.

Auch seine ursprüngliche Heimat Österreich verdanke Gideon Eckhaus sehr viel, betonte Außenminister Alexander Schallenberg. "Er war für einen Dialog mit unserem Land offen und trug maßgeblich dazu bei, dass wir heute ein ehrlicheres Bild über unsere Geschichte und die Rolle der Österreicher in der Shoah haben und unserer historischen Verantwortung nachkommen. Gideon Eckhaus wird uns als Mahner und Zeitzeuge sehr fehlen. Es liegt nun immer mehr an uns, die Erinnerung und die Lehren, die wir aus der Vergangenheit ziehen müssen, zu bewahren. Gideon Eckhaus wird uns auch als warmherziger und engagierter Mensch fehlen."

Die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ), die ihn vor drei Jahren in Jerusalem getroffen hatte, nannte ihn "einen Kämpfer, einen starken und selbstbestimmten Menschen, der sich stets für die Gerechtigkeit stark gemacht hat". Auf Hebräisch fügte Bures den jüdischen Totensegen hinzu: "Toda, Gideon. Baruch Dayan HaEmet." ("Danke, Gideon. Gelobt sei der wahrhaftige Richter.")