Das Original-Sujet von bet-at-home.com mit dem Frauenhintern, das Standard-Kollegin Olivera Stajic daraufhin rund um Mitternacht testhalber auf Facebook veröffentlichte, war übrigens auch heute Morgen noch sichtbar. Der Vorwurf der "double standards" greife hier aber nicht, hielt mir mein Mann heute Morgen vor. Und ja, ein bisschen Recht hat er schon: die Frauenkehrseite ist eben eine Frauenkehrseite ohne sichtbare Geschlechtsteile. Im kritischen Gegensujet ist nicht nur ein Männerpo zu sehen, sondern es sind auch Genitalien sichtbar.

Aber dennoch: wenn es um Antisemitismus, um Rassismus, um Hetze geht, dann kommt immer die Meinungsfreiheit ins Spiel. Immer wieder landet dann hier zu Lande solcherlei Gepostetes vor Gericht – und es kommt auch zu Verurteilungen. Erst vor kurzem erhielt ein 61jähriger Mann am Landesgericht Ried drei Monate bedingte Haft, weil er in einer (inzwischen gelöschten) Gruppe "Weg mit dem Muslimdreckgesindel, man sollte diese Dreckschweine gleich abschieben" geschrieben hatte. Die Gruppe hieß "Ja zu Österreich ohne Minarette". Bis sie entfernt wurde, brauchte es einigen Druck, unter anderem auch durch die Grünen-Initiative rund um den Nationalratsabgeordneten Karl Öllinger "Stoppt die Rechten". Facebook wird hier von sich aus nicht aktiv – und Gemeldetes wird eben lange geprüft und oft für nicht anstößig befunden.

Bei der Kampagne der Plattform 20.000 Frauen handelt es sich um eine kritische Positionierung gegenüber einer sexistischen Kampagne. Der Männerhintern soll nicht verkaufen, aber ja, er soll provozieren: um nachzudenken, wie Ähnliches doch völlig anders rezipiert wird. Facebook schafft hier eine differenzierte Betrachtung allerdings nicht. Solch ein Foto ist anstößig – und that’s it. Und dann frage ich mich doch: wenn diese Bilderkennung offenbar binnen Minuten funktioniert, warum werden dann nicht auch Hitlergruß-Fotos effizient entfernt? Oder andere Sujets, die auf NS-Wiederbetätigung schließen lassen? Das sind für mich die wirklich anstößigen Bilder, gegen die es vorzugehen gilt.