Tenor auch der Statements von Strache und Hofer: was damals passiert ist, darf sich nicht wiederholen. Immer wieder werden die Sorgen um "die jüdischen Mitbürger" geäußert, die sich, 70 Jahre nach Ende des Nationalsozialismus, einem neuen Antisemitismus ausgesetzt sehen würden – dem islamischen Antisemitismus.

Ja, Strache betont kurz, seit er Bundesobmann der Freiheitlichen sei, seit 2005 gebe es eine klare Abgrenzung vom und Verurteilung des Nationalsozialismus. Auch er betont: der November 1938 sei der Beginn des organisierten Holocaust gewesen, des Massenmords an den Juden. Menschen seien "allein auf Grund ihrer Abstammung ermordet" worden. Es gebe sechs Millionen Opfer und Millionen weiterer Entrechteter. All das dürfe nicht beschönigt werden. Die Ermordung der – einmal mehr – "jüdischen Mitbürger" sei "Mahnung". Nun gelte es aber eben, die Verantwortung im Hier und Heute zu tragen. Bereits jetzt würden Juden wieder aus Europa auswandern – etwas aus Frankreich. Zu einer neuerlichen Vertreibung der Juden dürfe es aber nicht mehr kommen.

Was Strache nicht sagt: wir, die Freiheitlichen, haben unsere Parteigeschichte aufgearbeitet. Wir legen einen Historikerbericht vor, der zeigt, wer unsere Gründerväter waren. Wir möchten mit diesem Kapitel abschließen. Wir ziehen klare Grenzen. Nichts von alldem ist zu hören. Stattdessen postete der FPÖ-Chef am Nationalfeiertag einen Text Ottokar Kernstocks, der auch das "Hakenkreuz-Lied" verfasste. Fragen dazu waren nicht möglich – denn eine Beteiligung des Publikums war nicht vorgesehen.

Einmal mehr inszenierte sich die FPÖ am heutigen Abend als Freund Israels, als Freund der Juden in Österreich – und Strache wies wie schon früher darauf hin, dass man selbst innerhalb der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien viele Freunde habe (offizieller Vertreter der IKG war freilich keiner anwesend). Und was muss man für diese jüdischen Freunde tun? Den Islam bekämpfen. Den Islam, der Europa bedroht, der die europäische Kultur zerstört.

Ja, Strache sagt, es gebe auch einen Antisemitismus von links und einen von rechts, und beide seien ebenfalls zu bekämpfen. Aber zentral an diesem Abend: der muslimische Antisemitismus. Die Gefahr durch muslimische Zuwanderung. Stenzel, die mehrmals wiederholt, nicht alle Flüchtlinge kämen aus Kriegsgebieten, viele hätten wirtschaftliche Interessen.
Was ich der FPÖ sagen möchte: wenn ihr dem Islam den Kampf ansagt, dann ist das ganz alleine eure Sache. Wir Jüdinnen und Juden brauchen die Vereinnahmung, die da heute über zwei Stunden zelebriert wurde, nicht. Das heißt nicht, dass es nicht auch in der jüdischen Gemeinde seitens mancher Sorgen und Ängste gibt. Aber sich hier als Anwalt der Juden aufzuspielen und gleichzeitig immer noch keine saubere Abgrenzung vom Nationalsozialismus zu schaffen, das ist Chuzpe. Kernstock am Nationalfeiertag. Mehr muss eigentlich nicht mehr gesagt werden.