Sieben Jahre währte in Österreich der Wahn vom tausendjährigen Reich. Sieben Jahre, die vor fast acht Jahrzehnten begannen. Seitdem sind zumindest drei Generationen auf die Welt gekommen. Der globale Wandel treibt uns rasant voran, unser Alltag heute unterscheidet sich fundamental von jenem meiner Kindheit und Jugend in den 1970er und 1980er Jahren.

Doch was nicht auszurotten zu sein scheint, sind die Symbole aus den düsteren sieben Jahren. Das Kreuz mit den vier Häckchen: es scheint immer noch Menschen zu faszinieren. Einerseits. Es ist andererseits Vehikel, um im politischen Nahkampf dem anderen zu sagen: du hast die falsche Gesinnung. Nicht offiziell. Die Benutzung des Hakenkreuzes ist verboten, und dennoch lässt es sich nicht kleinkriegen. Es kommt mir vor wie Unkraut, dessen man nicht Herr werden kann. Man reißt es aus, aber bald schon ist es wieder da.

Besonders gerne taucht es auf, wenn es in Österreich Wahlauseinandersetzungen gibt. Kommenden Sonntag wird nun – hoffentlich endlich – Österreichs nächster Bundespräsident bestimmt. Der viel zu lange Wahlkampf (auf Grund von Wiederholdung und Verschiebung der Wiederholung der Stichwahl zwischen dem Grünen Kandidaten Alexander Van der Bellen und dem Freiheitlichen Norbert Hofer) hat auch zu einer starken Polarisierung des Landes geführt.
Darüber wurde bereits viel geschrieben, daher möchte ich nur einen Aspekt herausgreifen, der auch den Wandel beschreibt, den unsere Welt durch das Internet, durch die sozialen Medien erfahren hat. Früher designten Wahlkampfleiter eine Kampagne und die wurde dann umgesetzt: in Zeitungsinseraten, Plakaten, TV-Spots, den Themenschwerpunkten, den die Kandidaten in Interviews, bei Wahlkampfveranstaltungen setzten.

Mobilisierung heute bedeutet, dass jeder als Wahlhelfer, als Wahlhelferin für seinen Wunschkandidaten tätig werden kann und das von den Parteien auch erwünscht ist: man outet sich via kleinem Insert auf seinem Profilbild auf Facebook als Van der Bellen- oder Hofer-Wähler, man teilt die von den Parteien erstellten Videos anstatt sie einfach nur auf deren Kanälen anzusehen, man ordert Flyer und beginnt auf eigene Faust mit dem Verteilen. Das ist ein enormer Katalysator und keiner der Kandidaten könnte auf diese Hilfe tausender und abertausender Menschen verzichten. Das birgt aber die Gefahr mit sich, dass zu viele zu vieles selbst in die Hand nehmen. Und so entwickelt sich eine Eigendynamik, die schließlich wie eine Krake ihre Tentakel ausfährt und uns nicht mehr los lässt.