Ich liebe Graffiti. Sie sind bunt, sie sind jung, sie sind urban. Wenn man sie betrachtet, findet man immer wieder neue, spannende, manchmal eine klare Sprache sprechende, manchmal tiefgründigere Details. Die Graffiti-Wand auf diesem Bild befindet sich in Ostjerusalem – ich habe sie diesen Dezember fotografiert.

Gaza, das Westjordanland, Ostjerusalem sind dieser Tage wieder massiv im Nachrichtenfokus. Der scheidende US-Außenminister John Kerry pochte einmal mehr auf einer Zwei-Staaten-Lösung für Israel und Palästina und versuchte, die Enthaltung der Vereinigten Staaten bei der Abstimmung über die UN-Resolution gegen die Siedlungspolitik des jüdischen Staates Ende vergangener Woche zu erklären. Die Replik von Israels Premier Benjamin Netanjahu fiel entsprechend harsch aus.

Welche Bilder haben Sie zu diesem Konflikt im Kopf? Israelische Soldaten an einem Checkpoint? Elendsaufnahmen aus einer palästinensischen Siedlung? Religiöse Juden, die in der Westbank leben? Und warum nicht eine Wand mit bunten Graffiti aus Ostjerusalem?

Manchmal braucht es neue Bilder im Kopf. Und nicht nur neue Bilder, schlicht neue Ideen, neue Konzepte, neue Wege, neue Perspektiven. Wie oft habe ich, auch hier, in diesem Blog, schon geschrieben: an der Zwei-Staaten-Lösung führt kein Weg vorbei. Ja, rational betrachtet, wäre das der Weg, der zu beschreiten wäre. Davon bin ich nach wie vor überzeugt.

Aber. Ich höre Palästinensern zu, die mir sagen: so lange Israel an der Siedlungspolitik festhält, wird das nichts mit dem eigenen Staat für die Palästinenser. Und ich kann sie verstehen. Ich höre Israelis zu, die mir sagen: sieh, was nach dem Abzug aus Gaza passiert ist. Dort herrscht nun ein Terrorregime. Diesen Fehler dürfen wir nicht nochmals machen – es geht um unsere Sicherheit. Und ich kann sie verstehen.

Ich höre Palästinensern zu, die sagen, sie sind es Leid, an Checkpoints gedemütigt zu werden. Und ich kann mich in sie hineinversetzen. Ich höre von Israelis, dass das eigentliche Problem nicht das Zusammenleben von Juden und Muslimen beziehungsweise von Juden und Arabern sei, denn das funktioniere ja auch innerhalb Israels gut. Sie sehen das zentrale Problem vielmehr darin begründet, dass die Palästinenser keinen jüdischen Staat anerkennen können. Und ich denke mir, wenn dem tatsächlich so ist, dann ist das in der Tat ein Hindernis für Frieden. Also geht die Frage zurück an Palästinenser: habt ihr ein Problem, Israel anzuerkennen?