In Köln sorgt die Polizei bei den Silvesterfeierlichkeiten in der Stadt heuer für Sicherheit - mittels racial profiling. In Kroatien werden die wenigen Flüchtlinge, die in Zagreb untergebracht sind, wiederholt von Rassisten misshandelt. Kroatische Medien veröffentlichten hier diese Woche blutige Bilder.

Zwei Vorkommnisse, viele viele Kilometer voneinander entfernt, und doch besteht ein direkter Zusammenhang: werden sich in Deutschland, werden sich auch in Österreich Sicherheitschecks künftig, wie in Köln vorexerziert, am racial profiling, andere nennen es ethnic profiling, orientieren, wird sich in der Gesellschaft eine Stimmung entwickeln, in der es dann völlig in Ordnung sein wird, bei einem Ladendiebstahl zunächst einmal den Mann dort drüben mit der etwas dünkleren Hautfarbe zu verdächtigen. Der war es dann sicher - weil man weiß ja, Menschen, die so aussehen, sind eben eher kriminell als solche mit sehr heller weißer Haut. Meint ja auch die Polizei. Warum sonst würden sie bei Kontrollen immer nur die herausholen, die irgendwie südländisch, jedenfalls anders aussehen.

Dass heuer aus Köln keine sexuellen Übergriffe, keine Taschendiebstähle in großem Stil berichtet wurden, das ist fein. Das ist begrüßenswert. Die Polizei hat hier sicher einen guten Job gemacht. Und dennoch. Sie hat in einer Weise für Sicherheit gesorgt, die mir Sorge macht. Sicherheitskontrollen sind gut und wichtig. Präventiv Dinge zu verhindern, so sollte Polizeiarbeit im Idealfall funktionieren. Ja, natürlich hat man Erfahrungswerte vom vergangenen Jahr. Dennoch: flächendeckend ausschließlich Männer mit nordafrikanischem Aussehen (wie auch immer man das auf einen Blick erkennt) zu kontrollieren, kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Menschengruppen unter Generalverdacht zu stellen, hat noch nie gut getan. Es erzeugt Opferstatus (den ohnehin schon viele Muslime zelebrieren), es erzeugt Wut und Aggressivität. Wer an den Rand gedrängt wird, wer als Outlaw behandelt wird, immer und immer wieder, der wird sich eines Tages auch so benehmen. Auf lange Sicht könnte eine derart gepflegte Sicherheitsarbeit dazu geeignet sein, zum Bumerang zu werden.

Wenn ich einen Termin in der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) in der Seitenstettengasse habe, wenn ich die Synagoge besuche oder eine der jüdischen Schulen: ich muss durch eine Sicherheitsschleuse. Wenn ich zum jüdischen Sommerfest im Arkadenhof des Wiener Rathauses gehe oder zu einer Kulturveranstaltung am IKG-Campus im Prater: ich muss durch eine Sicherheitsschleuse. Ich muss einen Ausweis vorlegen, Fragen beantworten, etwa, ob ich eine Waffe trage oder mir jemand etwas mitgegeben hat, ich muss meine Tasche öffnen und kontrollieren lassen, ich muss durch einen Metalldetektor gehen. Verzichtet wird auf diese Kontrolle nur, wenn mich der Sicherheitsmann, die Sicherheitsfrau bereits persönlich kennt. Ansonsten läuft die Kontrolle nach immer gleichem Muster ab - egal, ob es sich um Juden oder Nichtjuden, Besucher oder Gemeindemitglieder handelt. Ja, das ist oft lästig. Es ist schon einige Jahre her, da gab es viele Klagen über diese Kontrollen. Inzwischen sind diese Stimmen in der Gemeinde verstummt. Terror ist heute auch in Europa allgegenwärtig. Jeder weiß, dass die Kontrollen am Ende der eigenen Sicherheit dienen.