Was haben die Sicherheitskontrollen in der Wiener jüdischen Gemeinde mit der Polizeiarbeit von Köln zu tun? Viel, finde ich. Es ist ein großer Unterschied, ob ich alle Menschen, die an einem Großereignis teilnehmen wollen, kontrolliere - manche intensiver, manche weniger intensiv - oder eben nur eine gezielt ausgewählte Gruppe. In Köln wurde bereits ein Schleusensystem eingesetzt. Polizisten sind dort gestanden und haben jeden einzelnen Besucher eingeschätzt, ob er möglicherweise eine Gefahr darstellt oder nicht - allerdings vorrangig nach optischen Merkmalen (gepaart mit dem Faktor, ob er alleine oder in einer größeren Gruppe unterwegs war). Was hätte also dagegen gesprochen, im Vorfeld bekannt zu geben, dass Ausweispflicht herrscht, und jeder, der sich der Schleuse nähert, einen Ausweis in der Hand zu halten hat? Stichprobenartig hätte man die Dokumente dann quer durch alle Bevölkerungsgruppen kontrollieren können. Jene, die keine Papiere vorweisen können, dürfen dann ohnehin nicht in die Partyzone eintreten beziehungsweise müssen von der Polizei intensiver durchleuchtet werden. Und jene Männer, die man hier im Visier hatte, kann man dann ja alle genauer kontrollieren - ohne dass aber eben allen Umstehenden sofort klar wird: hier wird nur eine Gruppe von Menschen gezielt kontrolliert.

In Wien wurde beim heurigen Silvesterpfad ein anderer Weg beschritten. Es waren Kameras im Einsatz, die Polizei zeigte mit uniformierten Beamten Präsenz und hatte zusätzlich Kräfte in Zivil im Einsatz. Auch das scheint sich bewährt zu haben - von den Neujahrsfeierlichkeiten in der Bundeshauptstadt wurden keine Vorkommnisse wie vergangenes Jahr in Köln berichtet.

Was am Ende unumgänglich sein wird: es braucht viele Polizisten und Polizistinnen im Einsatz. Es braucht sichtbare Polizeiarbeit. Es braucht noch viel mehr Brainstorming im Vorfeld von Veranstaltungen im öffentlichen Raum, wie man durch bauliche Maßnahmen, Kameras, Kontrollen Events sicherer machen kann. Nach dem Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin wurde vielerorts über die Sicherheit auf solchen Märkten debattiert und es wurden teils noch rasch Sperren aufgestellt, um Attentate mit LKWs zu verhindern.

Die eigentliche Sicherheitsarbeit sollte aber schon vorher beginnen - präventiv. Oft hat es den Anschein, dass Sicherheit erst reaktiv gedacht wird - wie können wir etwas, das passiert ist, verhindern. Das ist wichtig, keine Frage. Sich allerdings einen Ort anzusehen, sich zu überlegen, wie könnte ein potentieller Attentäter vorgehen und was kann ich tun, um das zu verhindern, das wird eine entscheidende Frage im Kampf gegen den Terror, aber auch gegen Bandenkriminalität in Europa sein. Ideal wäre, wenn dies gelingt, ohne die Gesellschaft auseinanderzudividieren. Ideal wäre es, eine solidarische Gesellschaft zu haben, die gemeinsam gegen Gewalt, gegen Ausgrenzung, gegen Extremismus vorgeht - damit sich eben nicht nach und nach immer mehr Menschen radikalisieren, die ihren Platz in dieser Gesellschaft einfach nicht mehr sehen, weil sie ohnehin unter Generalverdacht gestellt werden.

Die Flüchtlinge in Kroatien: sie haben keine Zukunft. Ihnen wurde von Beginn an mit Ablehnung begegnet - bis jetzt gibt es nicht ausreichend Unterkünfte, wiewohl Österreich weiter dorthin Menschen abschiebt. Keine Rede von Sprachkursen oder anderen integrierenden Programmen. Flüchtlinge in Deutschland und Österreich hatten einen besseren Start. Auch wenn hier vieles besser laufen könnte (raschere Asylverfahren, mehr psychologische Betreuung, mehr Deutschkurse, rascheres Fitmachen für den Arbeitsmarkt), wurde die richtige Richtung eingeschlagen im Herbst 2015. Gehen wir doch diesen Weg weiter und stellen diese Menschen nicht unter Generalverdacht. Der Einzelne, der sich eines Verbrechens schuldig macht, ist zur Verantwortung zu ziehen und hat bestraft zu werden. So wie jeder und jede andere, die in Österreich lebt, auch. Nicht mehr, nicht weniger.