Außenminister Sebastian Kurz sorgt aktuell mit seinem Vorstoß, das Kopftuch aus dem öffentlichen Dienst zu verbannen, für rege Debatten. Wie säkular ist Österreich? Wie spielt hier das Konkordat herein? Warum ist das eine religiöse Symbol – das Kreuz – willkommen, warum wird aber ein anderes sichtbares Zeichen einer Konfession – das Kopftuch – nun nicht nur von den Freiheitlichen, sondern auch einer Regierungspartei für ressentimentgeladene Stimmungsmache gegen eine Bevölkerungsgruppe instrumentalisiert?

Papst Franziskus sprach vergangenen Sommer bereits klare Worte: er trete gegen ein Kopftuchverbot ein, damals ging es um die Situation in Frankreich und das Oberhaupt der katholischen Kirche ortete dort eine übertriebene Form von Laizismus. Was Vertretern von Religionsgemeinschaften hier ein Dorn im Auge ist: was folgt auf das Verbot eines religiösen Symbols? Welches ist dann als nächstes an der Reihe?

In diese Kerbe schlagen nun auch der Wiener Imam Ramazan Demir und Landes-Oberrabbiner Schlomo Hofmeister. Sie haben schon vor einiger Zeit die Initiative Muslime gegen Antisemitismus und Juden gegen Islamfeindlichkeit ins Leben gerufen. Dieses Wochenende meldeten sie sich im Namen dieser Initiative mit einer gemeinsamen Stellungnahme zu Wort.

Ein Kopftuchverbot sei "eine eindeutige Diskriminierung", betonte Demir dabei. Und Oberrabbiner Hofmeister unterstrich: die Kopftuchdebatte dürfe nicht mit der Diskussion um Gesichtsverschleierung verwechselt werden. "Vielmehr geht es hier um die Forderung Kleidungsstücke zu verbieten, die in religiösen Traditionen verwurzelt sind und deswegen als religiöses Symbol wahrgenommen werden." Der Gleichheitsgrundsatz der Verfassung garantiere allen Bürgern die gleichen Rechte ihrer Religionsausübung und der damit verbundenen Wahrung ihrer religiösen Identität. "Ein derartiges Verbot würde nicht nur die Kopftücher muslimischer und jüdischer Frauen und die Kippa jüdischer Männer treffen, sondern konsequenterweise auch alle Angehörigen des Klerus, Nonnen und Mönche, die als Lehrerinnen und Lehrer tätig sind und anhand ihrer Kleidung als Christen zu erkennen sind", so der Landes-Oberrabbiner weiter.

Alles weit hergeholt? Mitnichten! Justizminister Wolfgang Brandstetter meldete sich inzwischen im "Kurier" zu der aktuellen Kopftuch-Debatte zu Wort. Ein Kreuz solle zwar weiterhin im Verhandlungssaal möglich sein, sagt er dabei. Aber er meint auch in Richtung von SPÖ-Staatssekretärin Muna Duzdar, die erklärt hatte, dass es nicht angehe, sich hier für Verbote nur eine Religion – den Islam – herauszupicken: "Es geht dabei nicht nur um das Kopftuch, sondern um alle auffälligen Kleidungsstücke, die auf eine bestimmte Weltanschauung oder ein Religionsbekenntnis schließen lassen – also auch um die Kopfbedeckung eines Sikh oder die Kippa." Der Minister spricht hier für seinen Bereich, also die Justiz.