Nahost-Konflikt, europäische Flüchtlingspolitik, Umgang mit Muslimen und Musliminnen: es gibt viele Themen, zu denen man in einer jüdischen Gemeinde höchst unterschiedliche Positionen finden wird. Nun gesellt sich ein weiteres dazu: Donald Trump. Der US-Präsidentschaftskandidat hat bereits im vergangenen Jahr während des Wahlkampfes polarisiert. Vergangenen Freitag wurde er nun als Präsident der Vereinigten Staaten angelobt. Und nun gehen die Gräben erst so richtig auf.

Was mich persönlich stört: Diskussionen, die unter dem Titel "Was ist gut für die Juden, was ist schlecht für die Juden" geführt werden. Ein Rabbiner war bei der Inauguration anwesend? Das ist gut! Die US-Botschaft soll von Tel Aviv nach Jerusalem übersieden? Was für ein Signal! Trumps jüdischer Schwiegersohn bekommt eine tragende Rolle in der Administration Trump? Wonderful!

Und nun also die jüngsten News: noch am Sonntag rief Trump Israels Premier Benjamin Netanjahu an und lud ihn nach Washington ein. Das Treffen soll bereits im Februar stattfinden. Laut der israelischen Tageszeitung "Haaretz" auf der Agenda: Friedensverhandlungen zwischen Israel und Palästinensern, die nach Ansicht Trumps direkt zwischen den beiden Parteien stattfinden sollen, wobei der neue US-Präsident starke Unterstützung seines Landes für Israel zusicherte, Israels Sicherheit als Anliegen auch der USA, der entschiedene Kampf der USA gegen ISIS und andere islamistische Terrorgruppen, der Nukleardeal mit dem Iran.

Ja, das sind unbestritten alles wichtige Themen. Dem Friedensprozess wieder neue Dynamik zu geben, klingt hoffnungsvoll. Aber wie genau wird das nun vonstatten gehen? Und wie aussichtsreich kann solch ein Prozess sein, wenn sich Trump hier sofort nicht als Vermittler, sondern klar an der Seite Israels positioniert? Was ist gut für die Juden? Die USA an seiner Seite zu wissen, ist sicher positiv. Unbestritten. Wie aber soll hier nun konkret der palästinensische Verhandlungspartner eingebunden werden, wenn die Positionen so rasch abgesteckt werden? Vielleicht verhandlungstechnisch doch nicht so gut für die Juden?

Erst wenige Tage im Amt, hat Trump bereits durch verschiedenste Aktionen aufhorchen lassen. Da wäre einmal das wiederholte "America first" in seiner Inaugurations-Rede (die insgesamt für die Rede eines US-Präsidenten holzhammrig ausfiel – wobei sich Trump durchaus selbst gerecht wurde). Da wäre der völlige Umbau des Webauftritts des Präsidenten noch am Freitag. Civil rights, Klimawandel, native Americans: keine Themen mehr. Auch die spanische Version der Seite wurde bereits eingestellt.