Alexia Weiss - © Paul Divjak
Alexia Weiss - © Paul Divjak

"Love the stranger, because you were once strangers", stand auf einem der eilig gemalten Pappkartonschilder. Vergangenes Wochenende protestierten amerikanische Juden auf US-Flughäfen, wo auf Grund des "Muslim ban" von Präsident Donald Trump Muslime aus Ländern wie Syrien, dem Irak, dem Iran das Verlassen der Transitzonen verweigert wurde.

Die Schauspielerin Mayim Bialik veröffentlichte anlässlich des Vorgehens Trumps auf Facebook eine alte Schwarz-weiß-Aufnahme ihrer Familie, die unter anderen ihre Großmutter als Kind zeigt. "Die Frau mit den Zöpfen rechts im Bild ist meine Großmutter Sura (Sadie) seligen Angedenkens, die aus Ungarn flüchtete, um in Amerika ein neues Leben zu beginnen", schrieb sie dazu.

Das American Jewish Committee strich sofort nach Bekanntwerden von Trumps Dekret in einem Statement heraus, dass das AJC bereits seit 110 Jahren eine starke Stimme für eine faire, nicht diskriminierende und großzügige Flüchtlings- und Einwanderungspolitik der USA sei. AJC CEO David Harris betonte dabei, dass seine Eltern, seine Frau und seine Schwiegertöchter als Immigranten in die USA gekommen sind. Die Möglichkeit, sich hier ein neues Leben aufzubauen, müsse weiterhin bestehen.

Die Flüchtlinge direkt mit einer Terrorgefahr in Verbindung zu bringen bezeichnete Harris als "distracting fiction", also als vorgeschobenes Argument, das nicht mit Fakten belegbar sei. In den 14 Jahren bis Ende 2015 seien 784.000 Flüchtlinge von den USA aufgenommen worden. In dieser Zeit gab es drei Festnahmen von Refugees wegen geplanter terroristischer Aktivitäten (die aber nicht ausgeführt worden seien).

Was der "Muslim Ban" Trumps aber vor allem bewirkt hat: schon bisher engagierten sich jüdische Gemeinden in der Betreuung von Flüchtlingen, etwa aus Syrien. Nun aber meldeten sich, wie Haaretz berichtet, binnen Tagen zahlreiche Synagogen, die sich ab sofort ebenfalls am "sanctuary movement", einer seit den 1980er Jahren bestehenden Bewegung, in deren Rahmen Kirchen, aber auch Synagogen Asylsuchenden Schutz gewähren, beteiligen wollen.

Wer hier aktiv wird, verweigert meist auch die Zusammenarbeit mit den Einwanderungsbehörden, wenn es um die Abschiebung von undokumentierten Einwanderern geht. Vergangenen Dezember bezifferte das Center for Immigration Studies die Zahl solcher sanctuaries mit 300 – Trump dürfte ihre Zahl nun deutlich in die Höhe katapultiert haben.