Religion ist dieser Tage ständiges Thema in der politischen Berichterstattung, aber auch in alltäglichen Gesprächen. Vollverschleierung für Muslimas – nein, Kopftuch ist okay, aber nicht immer (und für manche soll es im öffentlichen Raum überhaupt nicht sichtbar sein), das Kreuz soll aus den Klassenzimmern verschwinden – oder wieder dorthin zurückkehren. Der Staat soll neutral auftreten, die Gesellschaft säkular sein und Religion Privatsache. Allerdings steht Österreich in christlicher Tradition, die aufrechtzuerhalten ist. Religionsfreiheit gilt als ein Wert, den es zu schützen gilt. Oder auch nicht.

Gleichberechtigung der Frau, Schutz des Kindes, Tierleid: wenn es um Kritik an Religion geht, vermischen sich die Debatten – oder werden vermischt. Was steht höher? Frauenrechte oder Religionsfreiheit? Beschneidet allerdings das Tragen eines Hidschab Frauen in ihrer Eigenständigkeit? Tragen sie es freiwillig? Wird es ihnen aufgezwungen? Wie sieht es mit Kippa tragenden Buben aus? Oder gar der Beschneidung? Im Kampf gegen Religion scheint jedes Argument recht, egal aus welchem Diskurs es eigentlich stammt, egal wie sehr oder wenig manchem Diskutierenden ansonsten dieses Thema am Herzen liegt.

Dieses ganze Geflecht an Argumenten und Scheinargumenten, gilt es zu entwirren. Was man dann immer wieder hört: Kinder sollen nicht religiös indoktriniert werden. Lasst sie sozusagen in Freiheit aufwachsen, und dann sollen sie sich als Erwachsene für eine Religion oder ein Leben ohne Gott entscheiden. Unterrichtet sie in Ethik, der Rest kommt dann schon. Klingt theoretisch auf den ersten Blick vernünftig. Aber auf den zweiten Blick eben schon nicht mehr. Religion ist nicht nur Handeln nach gewissen Regeln und Glauben an eine höhere Macht. Religion gibt Sicherheit, gibt Orientierung – wenn man sie verinnerlicht hat. Religion ist nichts, was man jemandem einfach überstülpen kann. Viel hat hier mit Gefühl, mit gelebtem Alltag zu tun. Wer Religion, seine Religion nicht von klein auf lebt, wird aus ihr viel schwerer jene Sicherheit, jenes Urvertrauen schöpfen können, für die sie observante Christen, Juden, Muslime, Hindus etc. so schätzen und hochhalten. (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel: oft sind jene, die im Erwachsenenalter konvertiert sind, die pflichtbewussteren Gläubigen. Wobei pflichtbewusst eben nicht automatisch gleichzusetzen ist mit: in ihrem Glauben gefestigt.)