Hühnerfleischtheke im neu eröffneten koscheren Supermarkt "Shefa markt" in der Leopoldstadt. - © Alexia Weiss
Hühnerfleischtheke im neu eröffneten koscheren Supermarkt "Shefa markt" in der Leopoldstadt. - © Alexia Weiss

Die unblutige Schlachtung wurde noch nicht erfunden. Und dennoch scheint von vielen Menschen zwischen barbarischer und moderner Schlachtung unterschieden zu werden. Das Argument, das auf den Fuß folgt, wenn es um die koschere Schlachtung, also das Schächten, geht: hier bluten die Tiere aus. Das ist allerdings bei konventioneller Schlachtung auch nicht anders. Das Rind zum Beispiel wird durch einen Bolzenschuss betäubt (was übrigens nicht immer einwandfrei funktioniert), dann werden die beiden Halsschlagadern durchtrennt, schließlich gewartet, bis das Blut abgeflossen ist. Dabei pumpt das Herz anfänglich immer noch Blut durch den Körper. Idealerweise bekommt das Tier das aber eben, weil durch den Bolzenschuss betäubt, nicht mehr mit.

Heute öffnete ein neuer koscherer Supermarkt in der Leopoldstadt seine Pforten. Das spezielle Angebot des "Shefa markt" in der Heinestraße: Frischfleisch, koscher geschlachtet, zu günstigen Preisen, möglich gemacht durch die Subventionierung seitens des Vereins bucharischer Juden. Der Verkauf erfolgt hier nach dem Shop-im-Shop-Prinzip. Koscheres Fleisch ist teuer, nicht jeder kann sich das leisten. Vor allem ältere Menschen, aber auch kinderreiche Familien tun sich da schwer. Hier will die bucharische Gemeinde nun der gesamten jüdischen Community unter die Arme greifen.

Tierschutz oder Fremdenfeindlichkeit?

Wer brauche so etwas, war da im Vorfeld zu lesen, und: wo bleibe der Tierschutz? Barbarisches Schlachten, die Überfremdung schreite voran, das sei gegen unsere Sitten. Immer wieder: das Ausbluten bei vollem Bewusstsein, Tierquälerei, Tierleid, das gehe mit der heutigen Zeit nicht zusammen. Kritik kommt also, wenn der Begriff Schächten fällt, von Tierschützern auf der einen Seite – von anderer Seite schwingt unterschwellig oder gar nicht so unterschwellig eine fremdenfeindliche Note mit.

Zur Kritik der Tierschützer: die kann ich durchaus nachvollziehen. Ich esse selbst seit Kindertagen kein Fleisch. Doch auch ihnen sei gesagt: ob das Schächten für Tiere qualvoller als so genannte moderne Schlachtmethoden ist, wird von Menschen, die auf Schlachthöfen unterwegs sind, durchaus in Frage gestellt. Beim Schlachten sterben Tiere, ja. Das Schächten als besonders grausame Methode anzuprangern, das sollte man aber hinterfragen.

Schächtschnitt ist Betäubung