Alexia Weiss - © Stanislav Jenis
Alexia Weiss - © Stanislav Jenis

Seit Jahren kommt mir bei Recherchen eine besonders perfide Seite im Netz unter: Metapedia. In Schweden 2006 von dem Rechtsradikalen Anders Lagerblöm gestartet, verbreitete sich die Seite rasch auch in andere Länder und Sprachen. Die deutschsprachige Version ging 2007 online – scheint in Deutschland bei einer Google-Abfrage allerdings nicht mehr auf. Seit 2009 werden Metapedia-Seiten bei Google.de nicht mehr gelistet.

In Österreich ist das anders, wie jüngst auch Hanna Herbst in einem Vice-Beitrag dokumentierte: hier zu Lande scheint diese rechtsextreme Enzyklopädie, die in ihrer Machart Wikipedia kopiert, sogar bei vielen Suchabfragen auf der ersten Seite der Ergebnisliste auf.

Geben Sie zum Beispiel einmal den Begriff "Juden" ein. Bei meiner Abfrage vor einer Woche landete der Metapedia-Eintrag auf der ersten Seite der Google-Treffer. Vergangenen Freitag dann kurz ein Hoffnungsschimmer: die Seite war nicht mehr erreichbar. Die Freude währte kurz: die Seite sei, sagt ein Szene-Kenner, immer mal wieder für kurze Zeit nicht erreichbar, gesperrt sei sie aber nicht. Und tatsächlich zu Beginn dieser Woche konnte man wieder auf den Eintrag "Juden" zugreifen.

Was dort zu lesen ist, erfüllt zunächst einmal den Tatbestand der Holocaust-Leugnung. Wüsste man nichts von Geschichte, würde man glauben, den Juden sei es im Nationalsozialismus richtig gut gegangen. So liest man auf Metapedia: "Die jüdische Bevölkerungszahl vor dem Zweiten Weltkrieg wird allgemein mit ca. 15,6 Millionen angegeben und nach dem Weltkrieg mit ca. 15,5 Millionen. Die jüdische Weltbevölkerung blieb zwischen 1930 und 1947 in etwa konstant. Demnach kann die Zahl der sogenannten Holocaust-Opfer nicht größer gewesen sein als das hypothetische Bevölkerungswachstum während dieses Zeitraumes."

Bei der Definition, wer ein Jude ist, halten sich die Autoren zunächst an die Halacha, das jüdische Gesetz. Demnach ist Jude, wer eine jüdische Mutter hat oder zum Judentum übergetreten ist. Immer wieder wird in dem Beitrag aber dann doch das Verständnis entsprechend den Rassegesetzen der Nationalsozialisten eingewoben, etwa wenn es heißt: "Im Deutschen Reich zählte man 1935 etwa 500.000 Juden mosaischen, 300.000 nichtmosaischen Glaubens und 750.000 Mischlinge (mit einem jüdischen Eltern- oder Großelternteil)."

"Judennase" und "Neigung zum Wucher"