Am Schwedenplatz erinnert nun ein Denkmal an sieben Wiener jüdische Kinder, die von einem Kinderheim in Izieu/Frankreich nach Auschwitz in den Tod deportiert wurden. - © Alexia Weiss
Am Schwedenplatz erinnert nun ein Denkmal an sieben Wiener jüdische Kinder, die von einem Kinderheim in Izieu/Frankreich nach Auschwitz in den Tod deportiert wurden. - © Alexia Weiss

Georgy Halpern war ein fröhlicher Wiener Bub. Dieses Gefühl wird einem jedenfalls vermittelt, wenn man sich Fotos von dem Kind ansieht, das nur acht Jahre alt wurde. Seit vergangener Woche erinnert am Schwedenplatz ein Denkmal an Georgy und weitere sechs jüdische Buben und Mädchen aus Wien, die in der NS-Zeit zunächst in einem Kinderheim in Izieu in Frankreich in Sicherheit schienen, doch dann auf Befehl des "Schlächters von Lyon", Klaus Barbie, abgeholt und in den Tod verschickt wurden.

"In Erinnerung an Georgy Halpern 1935 – 1944, der bis 1939 mit seinen Eltern Julius und Serafine in der Rotenturmstraße 29 lebte. Die Familie floh 1939 nach Frankreich und Georgy kam Ende 1943 in das Kinderheim von Izieu. Am 6. April 1944 wurden er und 43 Kinder sowie ihre Erzieherinnen festgenommen, ins Sammellager Drancy verbracht, am 13. April ins KZ Auschwitz deportiert und sofort ermordet", ist auf dem von Milli Segal initiierten Erinnerungsstein verewigt.

Wer auch immer künftig an diesem Denkmal vorbeigeht, weiß: hier ganz in der Nähe hat einmal ein jüdischer Bub gelebt. Und er wurde nicht alt, denn er wanderte in eine der Gaskammern der Nationalsozialisten. Das bedeutet "in Auschwitz ermordet". Man braucht es gar nicht extra dazuschreiben. Wer am Tag der Ankunft in einem KZ starb, der starb keines natürlichen Todes. Das ist heute kollektives Wissen.

Wider die "Leichenbergpädagogik"

Es gibt noch andere Formulierungen, aber auch Bilder, die man sieht, und es ist alles klar: einen Berg Brillen. Einen Berg Schuhe. Eine Ansammlung dieser bestimmten kleinen Koffer. Es braucht keine Fotos von Leichenbergen, um den Holocaust zu veranschaulichen. Es braucht keine Bilder von Toten, die wie mit Haut überzogene Skelette wirken.

"Leichenbergpädagogik": so nennt man jene Form der Holocaust Education, die eben mit Bildern von Leichenbergen arbeitet. Machen diese Fotos den Holocaust anschaulicher? Rühren sie mehr als Bilder der Menschen, als sie noch lebten, von denen man aber weiß, dass sie ermordet wurden? Oder aber nehmen sie Menschen, die von den Nationalsozialisten ohnehin schon ihrer Würde beraubt und entmenschlicht wurden, nochmals die Würde?

Ich finde ja. Zum einen. Zum anderen sehen wir: trotzdem viele solcher Bilder im Umlauf sind, hindert es nicht immer wieder Menschen daran, den Holocaust anzuzweifeln. Und es schützt auch nicht vor anderen Genoziden.