Muslime sollen also in Mistkübel gestopft werden, weil, ja weil? Weil sie Mist sind, Müll? Wertlos? Entsorgt werden müssen? Und entsorgen steht für: ja was? Unerwünscht sein? Vernichtet werden sollen? Freies Assoziieren führt in die verschiedensten Richtungen. Jede von ihnen nimmt ein unerquickliches gedankliches Ende. Was sich der Beschmierer, die Beschmiererin des Mistkübels auf der Donaufelder Straße in Wien-Donaustadt, der/die den Begriff "Moslems" in Versalien anbrachte und schließlich mit einem Pfeil versah, der vom Wort zur Öffnung des Mülleimers führte, hier im Detail gedacht hat, bleibt dem Leser, der Leserin der Botschaft verschlossen. Umso wichtiger ist die Frage: was löst eine solche Aktion beim Betrachter aus? Und: welche Stimmung, welche Atmosphäre macht eine solche Aktion überhaupt erst möglich?

Positiv zu vermerken: ich habe diese am Wochenende entdeckte Beschmierung noch am gestrigen Sonntag der zuständigen MA 48 gemeldet. Bereits heute, Montag, Mittag war der Mistkübel von dem Schriftzug samt Pfeil befreit. Negativ zu vermerken: es sind genau solche Dinge, die der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Ibrahim Olgun, beklagt. Schmierereien, Anfeindungen gegenüber Muslimen und Musliminnen in Österreich nehmen zu. Darauf ging auch Bundeskanzler Christian Kern vergangene Woche bei einem Dialog-Fastenbrechen im laufenden Ramadan ein, zu dem die Islamische Glaubensgemeinschaft vor allem auch Vertreter anderer Religionsgemeinschaften geladen hatte.

Der Bundeskanzler verurteilte in seiner kurzen Rede politische Tendenzen, die zunehmend Platz greifen würden, und die Muslime als Österreicher und Österreicherinnen zweiter Klasse sehen würden. Und Kern fügte hinzu: auch vor 70 Jahren sei der Gewalt der Worte die Gewalt der Taten entsprungen.

Und wieder einmal: Debatte um einen (unzulässigen) Holocaust-Vergleich

Das sei ein unzulässiger Vergleich mit dem Holocaust, tönte es dann einerseits vom (Noch-)Koalitionspartner ÖVP. Diese Meinung wurde aber auch von manchen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde formuliert. Mir erscheinen solche Wortmeldungen inzwischen wie ein – unreflektierter – Reflex, den ich massiv in Frage stelle. Wenn erinnert wird, wie das alles begann mit der Schoa, was der Massenvernichtung der Jüdinnen und Juden vorausging, wie es so weit kommen konnte, dass in der Bevölkerung eine Stimmung herrschte, die es vielen möglich machte, zu finden, Juden zu enteignen, ihre Jobs zu kündigen, sie zu verjagen, zu enteignen, abzutransportieren und schließlich zu ermorden, sei legitim, sei in Ordnung, dann ist das noch lange kein Vergleich mit dem in der Tat einzigartigen Holocaust.