Mit dieser antisemitischen Karikatur wurde 2015 für den Al Quds-Tag in Wien auf Facebook geworben. Das Sujet wurde inzwischen von den Seitenbetreibern entfernt. - © Screenshot der Facebook-Seite "Internationaler Al-Quds Tag Wien - Free Palestine" vom 8. Juli 2015
Mit dieser antisemitischen Karikatur wurde 2015 für den Al Quds-Tag in Wien auf Facebook geworben. Das Sujet wurde inzwischen von den Seitenbetreibern entfernt. - © Screenshot der Facebook-Seite "Internationaler Al-Quds Tag Wien - Free Palestine" vom 8. Juli 2015

Eine Gruppe bosnischer Handballfans griff am Samstag am Schwarzenbergplatz in Wien einen US-Amerikaner an: Er soll an der Regenbogenparade teilgenommen haben und war in eine Israel-Fahne gehüllt. Laut Polizei wurde der Mann rassistisch und antisemitisch beschimpft und mit Fäusten attackiert.

Die Frankfurter Soziologin Julia Bernstein kommt in einer Studie zum Schluss: unter Juden in Deutschland sind Antisemitismus-Erfahrungen weit verbreitet, berichtete jüngst die Frankfurter Rundschau. Bernstein interviewte dazu dutzende Jüdinnen und Juden ausführlich und der Befund macht wenig froh: demnach habe Antisemitismus in den vergangenen Jahren nicht nur zugenommen, sondern sei auch salonfähiger geworden. Antisemitismus werde in verschiedensten Gruppen der Gesellschaft deutlich offener geäußert als noch vor einigen Jahren.

Ähnliches berichten in Wien auch Eltern von jüdischen Kindern, die eine nichtjüdische Schule besuchen. Immer wieder komme es zu antisemitischen Äußerungen von Mitschülern. Mein Kind besucht auch eine nichtjüdische Schule: ich kann von solchen Erlebnissen bisher nicht berichten. Würde es eines Tages passieren, würde ich wohl zur Furie mutieren.

Andernorts können sich alternative Bildungsangebote nicht klar von dubiosen Haltungen distanzieren: die Wiener Zeitung veröffentlichte vergangenes Wochenende brisante Recherchen zur Lais-Pädagogik, die in Österreich immer mehr Anhänger findet. Dabei wurde eine Vernetzung von Lais-Anbietern mit der Esoterik-Szene und rechtsextremen Kreisen inklusive eines Holocaust-Leugners aufgezeigt.

Al Quds-Tag

Und antisemitische Slogans sind auch diese Woche wieder beim Wiener Marsch (Samstag Nachmittag, Start am Urban-Loritz-Platz, Uhrzeitangaben variieren derzeit zwischen 15.30 Uhr und 16.30 Uhr) anlässlich des international begangenen Al Quds-Tages (der sich gegen Israel wendet) zu erwarten, auch wenn im Demo-Aufruf anderes zu lesen ist: "Wir stehen für Frieden, Gerechtigkeit und Schutz von Bedürftigen. Wir treten gegen Antisemitismus ein, lehnen jede Form davon vehement ab und stellen klar, dass Zionismus und Antisemitismus zwei verschiedene Begriffe sind! Nein zur Apartheid! Nein zu Zionismus!"

Der Punkt ist jedenfalls: ist das vehemente Eintreten gegen Israel, das Anprangern von "Apartheid" nicht eben doch Antisemitismus? In Israel gibt es sowohl jüdische als auch arabische Staatsbürger. Als antisemitisch stuft jedenfalls ein breites Bündnis aus Politikern von SPÖ, Grünen und ÖVP, der Israelitischen Kultusgemeinde, jüdischen Organisationen, Studierendenverbänden sowie dem Republikanischen Club den jährlichen Al Quds-Tag ein. Ebenfalls am Samstag ab 14 Uhr wird von diesem daher auf der Mariahilfer Straße zur Kundgebung "Gemeinsam gegen Antisemitismus! #KeinQudsTag in Wien" aufgerufen.