Nun also Johannes Hübner. Er ist nicht der erste FPÖ-Politiker, der mit antisemitischen Ansagen von sich reden macht(e). Die Liste ist lang: sie reicht vom verstorbenen Ex-Parteichef Jörg Haider ("ordentliche Beschäftigungspolitik", "Ich verstehe nicht, wie einer, der Ariel heißt, so viel Dreck am Stecken haben kann") über Ernest Windholz ("Unsere Ehre heißt Treue) und Siegfried Kampl (Wehrmachtsdeserteure waren "Kameradenmörder") bis zu Susanne Winter (Bejahung eines Postings, das den "zionistischen Geldjuden" die Schuld an der Flüchtlingskrise gab). Sie wurde 2015 aus der FPÖ ausgeschlossen.

Hübner schließt hier nahezu nahtlos an. Wie der "Standard" vergangene Woche berichtete, sagte dieser im Juni 2016 bei einem Kongress der laut deutschem Verfassungsschutz als rechtsextrem einzustufenden "Gesellschaft für freie Publizistik" in Thüringen über SPÖ-Bundeskanzler Christian Kern, dieser werden die "Umvolkung" im Zug der Flüchtlingsbewegungen nicht aufhalten. "Man muss wissen, dass dieser Kern exzellent verankert ist", so Hübner. Kern sei nämlich "Friedrich-Torberg-Preisträger der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, ist exzellentest vernetzt in der Logenszene". Der Hinweis auf die Freimaurer gilt ebenso als deutschnationaler Code für jüdisch wie Hübners ebenfalls in dieser Rede formulierter Einschub, der Schöpfer der österreichischen Verfassung, Hans Kelsen, habe ja "eigentlich Hans Kohn" geheißen. Damit hatte er vor dem einschlägigen Publikum die Lacher auf seiner Seite.

Ob die Parteispitze nun mehr als ein Jahr später nach Bekanntwerden der markigen Sager auch noch so herzlich lacht? Es ist Nationalratswahlkampf und die FPÖ greift nach der nächsten Regierungsbeteiligung. Welche Konstellation sich am Ende ausgehen wird, wissen wir nach der Wahl Mitte Oktober. Und wer dann tatsächlich mit wem zusammenarbeitet, darüber entscheiden die Koalitionsverhandlungen.

SPÖ und ÖVP fordern Konsequenzen

Sowohl SPÖ als auch ÖVP verurteilten die Aussagen Hübners nach deren Bekanntwerden prompt. Aus beiden Parteien wurden auch Stimmen laut, die eine Koalition mit der FPÖ, die an Hübner festhalte, in Frage stellten. So meinte etwa Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ), gebe es hier keine Konsequenzen, könnten die Freiheitlichen kein Partner sein. Und ÖVP-Generalsekretärin Elisabeth Köstinger betonte, eine Koalition mit der FPÖ mit Hübner sei nicht vorstellbar.