Und die FPÖ? Sie wiegelt ab. Generalsekretär Herbert Kickl befand nach einem Gespräch mit Hübner, dieser habe glaubhaft versichert, "dass jedweder Vorwurf in Richtung einer antisemitischen Intention" nicht den Tatsachen entspreche. Und Kickl selbst legte noch nach: es handle sich hier um eine von langer Hand geplante Negativkampagne der SPÖ. Es passe nicht zusammen, dass Kern einen Wertekompass erstelle und gleichzeitig einen "Experten für Negativcampaining" einsetze. Ist nun noch irgendjemand überrascht, dass damit laut "Standard" Kanzlerberater Tal Silberstein gemeint ist?

Der Punkt ist aber: es ist im Grund gleichgültig, ob die FPÖ Hübner nun aus der Partei ausschließt oder nicht. Denn dadurch wird sich an den immer wiederkehrenden antisemitischen Ausritten des einen oder anderen Funktionärs nichts ändern. Und genau deshalb sollten sich SPÖ und ÖVP genau überlegen, wen sie sich da möglicherweise ins Boot holen.

FPÖ muss ihre Geschichte lückenlos aufarbeiten

Ja, FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bemüht sich seit geraumer Zeit, Antisemitismus zu verurteilen und reiste mehrmals nach Israel, um hier entsprechende Signale auszusenden. Aber was ist das wert? Wenig, wie man sieht. Wann könnte man die Abgrenzung der FPÖ von Gedankengut aus der NS-Zeit ernst nehmen? Wenn sie ihre Parteigeschichte und die all ihrer Funktionäre lückenlos aufarbeitet. Und nur dann.

Bei einer Veranstaltung im November 2016 bemühte sich Strache, sich und seine Partei als Kämpfer gegen den Antisemitismus zu inszenieren. Allerdings hatte man als Zuhörender das Gefühl, der Holocaust sei quasi vom Himmel gefallen. Kein Wort zu den Anfängen der FPÖ. Diese ging aus dem Verband der Unabhängigen (VDU) hervor, der sich als Vertretung ehemaliger NSDAP-Mitglieder sah.

Hier tut sich die FPÖ schwer. Interessante Einblicke liefern auch Erinnerungen des früheren FPÖ-Generalsekretärs Peter Sichrovsky, die dieser nun auf dem Portal www.schlaglichter.at veröffentlichte. Darin schildert er ein Gespräch mit Jörg Haider zu genau diesem Thema. Er könne keine solche Studie in Auftrag geben, meinte demnach Haider zu Sichrovsky. "Außerdem werden in so einer Studie meine Freunde fertiggemacht, die werden einfach angepatzt und auch deren Familien, die haben so viel für mich getan. Wie stehe ich vor denen da?"

Ja, eine lückenlose Aufarbeitung der Parteigeschichte, das wäre nicht nur eine große wissenschaftliche Aufgabe, sondern auch schmerzhaft für die FPÖ. Sie müsste sich von allen amtierenden Funktionären trennen, denen hier Einschlägiges nachgewiesen wird, sie müsste sich aber auch für all jenes, was von früheren Mandataren zum Beispiel an antisemitischen oder die NS-Zeit verherrlichenden Aussagen gefallen ist, entschuldigen. Kickls Herunterspielreflex zeigt, dass die Partei davon genauso weit entfernt ist wie unter Jörg Haider. Man würde wohl zu vielen Funktionären, aber auch Parteimitgliedern und Wählern auf die Füße treten.