Jüdisch-muslimischer Dialog

Christliche Vertreter, unter ihnen der Leopoldstädter Pfarrer Konstantin Spiegelfeld, waren am Sonntag auch zu Gast bei einer Dialogveranstaltung zwischen Wiener Muslimen und Juden. Vor mehr als einem Jahr riefen die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen (IMÖ) sowie das Onlinemedium "Die Jüdische" das Projekt "Dibur/Sohba" (Gespräch) ins Leben. Ziel war es, auf einer informellen Ebene miteinander ins Gespräch zu kommen. Im Palmenhaus in den Blumengärten Hirschstätten wurde sonntags anlässlich des islamischen Opferfests halal und koscher aufgetischt. Carla Amina Baghajati, Mitbegründerin der IMÖ, erinnerte, dass man beim mehrtägigen Opferfest – den höchsten islamischen Feiertagen – die Geschichte Abrahams erzählt, dem von Gott befohlen worden war, seinen Sohn zu opfern, am Ende diesen dann aber verschonte und ein Tier geschlachtet wurde. "Gott sagt damit, in meinem Namen soll kein Mensch geschlachtet werden", betonte Baghajati – für sie eine Friedensbotschaft.

Theologische Replik von Oberrabbiner Folger: das Opfer sei auch im Judentum von zentraler Bedeutung, obwohl nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem kein Opfer mehr erfolgen könne. Die Geschichte von Abraham und seinem Sohn Itzhak, der schließlich davon verschont wurde, geopfert zu werden, zeige, dass Itzhak sein Leben als Opfer verstanden habe, als Hingabe zu Gott. Zweiter Aspekt sei, dass das Tieropfer zu Zeiten des Tempels in weniger als 24 Stunden zu verspeisen gewesen sei. In Anbetracht der Größe eines Opfertieres bedeutete das, dass man anlässlich eines Opfers – etwa um Gott für etwas zu danken – mit anderen teilen musste. Dieser Gedanke ist auch im Islam zentral: anlässlich des Opferfestes wird auch ein Teil des Fleisches an sozial Schwächere weitergegeben, erläuterte Baghajati.

IKG-Vizepräsident Chanan Babacsayv betonte, durch informelle Treffen wie jenem heute in Hirschstetten komme man einander auf einer menschlichen Ebene, im direkten Gespräch näher. Er strich aber auch gemeinsame Interessen heraus, wie das Schächten. "Hier müsste man noch viel offensiver mit der Politik reden", betonte er. Das Recht, Tiere koscher oder halal zu schlachten, aber auch Buben zu beschneiden, wie es auch in beiden Religionen vorgesehen ist, müsste in Österreich sowie europaweit so verankert werden, sodass es auch bei einem Regierungswechsel unantastbar sei. Denn ohne das Recht, zu schächten und zu beschneiden, wäre jüdisches religiöses, aber eben auch muslimisches religiöses Leben in Österreich nicht mehr möglich.