Chanan Babacsayv (li) und Israel Abramov (re) vergangenen Jänner: Anlässlich des Holocaust-Gedenktages beteiligten sie sich an der #WeRemember-Aktion des Jüdischen Weltkongresses. - © Privat
Chanan Babacsayv (li) und Israel Abramov (re) vergangenen Jänner: Anlässlich des Holocaust-Gedenktages beteiligten sie sich an der #WeRemember-Aktion des Jüdischen Weltkongresses. - © Privat

Sommerfest der bucharisch-jüdischen Community in Wien: ein bisschen Programmatisches (nicht nur der Nationalrat, auch der Kultusvorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien wird noch dieses Jahr neu gewählt), viel Smalltalk, ein zum Spirit des Abends passendes Buffet mit koscherer aschkenasisch-sephardischer Fusion-Küche. Was auffiel: auch als jemand, der kein Russisch beherrscht, fühlte man sich an diesem Abend nicht sprachlich ausgeschlossen.

Geplaudert wurde großteils auf Deutsch und auch die kurzen Ansprachen wurden mehrheitlich in der Landessprache gehalten. Nur Shlomo Ustaniazov, der Präsident des Verbands Bucharische Juden Österreich (VBJ), wandte sich in Russisch und Hebräisch an die Gäste. Die beiden wesentlich jüngeren VBJ-Vertreter Israel Abramov, Vorstandsvorsitzender des VBJ, und Chanan Babacsayv, derzeit IKG-Vizepräsident, sprechen Wienerisches Deutsch.

"Die Russen": so wurden die bucharischen Jüdinnen und Juden in der Wiener jüdischen Gemeinde lange bezeichnet. Dabei war dieser Begriff nie wirklich zutreffend: bucharische Juden stammen aus Buchara, einem Gebiet in Zentralasien (heutiges Usbekistan und Tadschikistan). Dort wurde Bucharisch gesprochen, das Schulsystem der Sowjets brachte Russisch als Bildungssprache. Russisch ist bis heute in vielen, aber nicht allen bucharischen Familien eine identitätsbildende Sprache – Russen waren die Bucharen aber nie (Sowjetbürger schon).

Doppelte Emigration

Viele bucharische Juden nützten die Möglichkeit, ab den 1970er dem Kommunismus zu entkommen und in Israel ein neues Leben zu beginnen. Die Ausreise erfolgte meist über Österreich. Einige Familien lebten zwar eine Weile in Israel, entschieden sich dann aber, nach Europa zu gehen und emigrierten ein zweites Mal: dieses Mal nach Wien.

Das war auch in den Familien von Abramov und Babacsayv so. Beide wurden in Israel geboren – Abramov 1979 und Babacsayv 1977 – und beide kamen als kleine Kinder nach Österreich. Hier wurden sie groß, hier maturierten sie, hier leben sie heute mit ihren Kindern: Abramov ist sechsfacher Vater, Babacsayv hat drei Kinder. Beide sind im Immobilienbereich tätig (Abramov als Immobilienkaufmann, Babacsayv als Immobilienmakler). Das Bucharische ist aus dem Sprachenkanon der beiden Familien bereits verschwunden – "nicht einmal meine Eltern sprechen mehr Bucharisch", erzählt Abramov. Er spricht mit seiner Frau und seinen Kindern Deutsch, Russisch und Hebräisch. Bei den Babacsayvs sind Deutsch und Hebräisch die Familiensprachen.