Alexia Weiss - © Paul Divjak
Alexia Weiss - © Paul Divjak

Die Äpfel wurden in Honig getaucht und die Süße genossen und wir haben dem Klang des Schofar gelauscht. Rosch HaSchana, das jüdische Neujahrsfest, ist vorüber. Die Hohen Feiertage sind es allerdings noch nicht. Kommenden Samstag wird gefastet, denn es ist Jom Kippur, der Versöhnungstag.

Seit vielen Jahren veröffentlichen heimische Politiker und Politikerinnen in jüdischen Medien Glückwünsche zu Rosch HaSchana. Die sozialen Netzwerke haben hier in den vergangenen Jahren aber auch einen direkteren Zugang zu Menschen allgemein, zu potenziellen Wählerinnen und Wählern im Besonderen geschaffen. Ihre Facebook-Auftritte nützen Volksvertreter auch, um zu Weihnachten, Silvester oder eben dem jüdischen Neujahr zu gratulieren. Manche jedenfalls. Heuer waren das – sieht man sich die Spitzenpolitik an – Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler und SPÖ-Vorsitzender Christian Kern sowie Außenminister und ÖVP-Obmann Sebastian Kurz. Die anderen Parteivorsitzenden verzichteten vergangene Woche auf diese Geste.

Was auffällt: unter dem Eintrag des Bundespräsidenten finden sich viele Dankes-Einträge und ein Hinweis, dass die Muslime heuer gleichzeitig mit Juden Neujahr feierten, dazu aber nicht gratuliert wurde. Der Bundeskanzler postete eine Videobotschaft, in welcher er Österreichs "historische Verantwortung" betonte und unterstrich, dass es gelungen sei "ein Zusammenleben in Vielfalt, in Pluralität, in Offenheit und in gegenseitigem Respekt zu organisieren". Antisemitische Äußerungen empfinde auch er als persönlichen Affront, fügte er hinzu, "weil das Judentum auch Teil meiner persönlichen Geschichte ist als Österreicher in diesem Land". Hier ebenfalls viel Dank, einige bedauernde Wortmeldungen in Sachen muslimisches Neujahr, aber auch ein provokante Frage: "Ich frage mich haben wir noch österreichische Politiker?"

Von eigenen Landsleuten und fehlendem Respekt

Der Außenminister wählte ein Foto mit Äpfeln, Granatäpfeln und Honig. Den süßen Wünschen folgten allerdings viele ganz und gar nicht wohlwollende Einträge. Ein Poster schildert – ziemlich zusammenhanglos zu den Glückwünschen – was er alles satt hat: dass immer mehr Flüchtlinge kommen, dass er ständig hören müsse, er müsse sich in sämtlichen Bereichen den Gebräuchen und Sitten der Flüchtlinge anpassen, aber auch, dass er ins rechtsradikale und menschenfeindliche Eck gestellt werden, weil er nicht "welcome" schreie. Ein anderer Poster stellt die Frage: "Basti, wir haben nicht nur Juden und Moslems in Österreich! Schon bemerkt???" Und es geht weiter, Schlag auf Schlag: ob der Außenminister auch "seinen eigenen Landsleuten" schon einmal frohe Weihnachten oder Ostern gewünscht habe oder aber die Frage: "Bringen die anderen Religionsgemeinschaften denn eigentlich den Österreichern den gleichen Respekt entgegen?"