Erwin Javor hat seine Familiengeschichte in eine Zusammenschau jüdischen Lebens nach dem Holocaust verpackt ("Ich bin ein Zebra. Eine jüdische Odyssee", nun erschienen im Amalthea Verlag). - © Privat
Erwin Javor hat seine Familiengeschichte in eine Zusammenschau jüdischen Lebens nach dem Holocaust verpackt ("Ich bin ein Zebra. Eine jüdische Odyssee", nun erschienen im Amalthea Verlag). - © Privat

Was begründet die jüdische Identität? Ist es nur die Geburt? Ist es die Religiosität? Die Verfolgungsgeschichte? Die Kultur? Eine Opferrolle? Ein Zugehörigkeitsgefühl?

Ich kenne Erwin Javor schon viele Jahre. Und ja, wenn nun jemand sagt, ist ja kein Wunder, sie hat ja damals, als seine Frau, die Sängerin und Schauspielerin Anita Ammersfeld, das stadtTheater walfischgasse eröffnete, dort gearbeitet. Das ist richtig. Aber wie heißt es so schön: Wien ist ein Dorf. Das gilt umso mehr für die kleine jüdische Gemeinde. In der Kehille kennt man sich. Und wo man sich kennt, kommt es über die Jahre zu verschiedensten Verknüpfungen.

Erwin ist ein wandelndes Lexikon, wenn es um Jüdischkeit geht. Er kann den Schtetl-Spirit vermitteln, auch wenn er ihn selbst nur aus den Erzählungen seines Vaters kennt. Worüber auch immer man mit Erwin spricht: es wird ihm ein jüdischer Witz dazu einfallen. Oder eine Anekdote. Er hat aus einem kleinen Flanschgeschäft ein großes Stahlhandelsunternehmen geschaffen – aber in privaten Gesprächen geht es selten ums Geschäft, dafür oft um Politik oder eine ganz andere Welt: die der Ostjuden im Nachkriegs-Wien.

Sein Vater stammte aus Jablonica in Ostgalizien (damals Österreich-Ungarn, heute Ukraine), seine Mutter aus Budapest, wo er auch selbst 1947 zur Welt kam. Als er drei Jahre alt war, wanderte die Familie nach Wien aus, das eigentlich nur Zwischenstation auf der Reise nach Amerika sein sollte, schließlich aber die neue Heimat werden sollte. Wenn man denn von Heimat sprechen kann als Jude in einem Land, in dem nach Kriegsende Nationalsozialisten ja nicht von einem Tag auf den anderen verschwunden waren.

"Ich bin ein Zebra. Eine jüdische Odyssee"

Erwin Javor, der jüdische Kunst und Kultur seit jeher inhaliert, hat nun selbst in die Tasten gegriffen. In "Ich bin ein Zebra. Eine jüdische Odyssee" (Amalthea Verlag) verknüpft er seine Familiengeschichte mit den Ingredienzien, die auch sonst so charakteristisch für seine Erzählungen sind: Witze, Anekdoten, ein bisschen etwas zu jüdischen Traditionen und obendrauf noch eine Prise Israel. Wenn man Erwin kennt, dann liest man dieses Buch und hat dazu seine Stimme im Ohr. Und wer ihn nicht kennt, für den erhebt sich in diesem kurzweiligen Potpourri jüdischen Selbstverständnisses vermutlich das eine oder andere, das zum Schmunzeln, aber eben auch zum Nachdenken anregt.