Von den antisemitischen Tönen im laufenden Nationalratswahlkampf bis zur Haltung zur Israel-Boykottbewegung BDS (Boycott, Divestment, Sanctions): Montag Abend lud die Jüdische Österreichische HochschülerInnenschaft (JÖH) Vertreter und Vertreterinnen von SPÖ, ÖVP, Grünen, NEOS und Liste Pilz zu einer Podiumsdiskussion ins Gemeindezentrum der jüdischen Community, um Themen zu besprechen, die Mitgliedern der Wiener jüdischen Gemeinde am Herzen liegen. Bewusst nicht eingeladen wurde die FPÖ, wie JÖH-Co-Vorsitzender Benjamin Guttmann in seiner Moderation betonte.

Guttmann verwies dabei auch auf die heute von Oskar Deutsch, dem Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien, veröffentlichten Stellungnahme, in welcher dieser festhielt: "Die FPÖ ist eine Partei, die immer noch und immer wieder gegen Andersdenkende und Andersaussehende wettert, die Fremde als Bedrohung darstellt und die kleingeistige Nationalpolitik betreibt statt über europäische Lösungen zu reden. Die FPÖ will das Schächten verbieten, sie schert Menschen über einen Kamm, ganze Gruppen werden für die Taten einzelner verantwortlich gemacht."

"Und", so Deutsch weiter, "die FPÖ ist der politische Arm der deutsch-nationalen Burschenschaften, die sich nicht vom Dritten Reich distanzieren. Antisemitische Anspielungen werden stets zu Einzelfällen erklärt. Eine Aufarbeitung der Parteigeschichte und ein klarer Bruch mit dieser Vergangenheit wurde nie gemacht. Daher kaschieren symbolische Israelbesuche auch nicht die menschenverachtende Politik dieser Partei. Jüdinnen und Juden verurteilen nicht nur Antisemitismus, wir werden es niemals akzeptieren, dass auf Kosten von ganzen Menschengruppen Politik gemacht wird. Das ist eine Lehre aus unserer Geschichte und aus der Menschheitsgeschichte." Der IKG-Präsident forderte zudem die anderen Parteien auf, eine Koalition mit der FPÖ auszuschließen.

Rotes Nein zu SPÖ-FPÖ-Koalition

Die Frage lag daher auf der Hand: Die eingeladenen Parteien sollten beantworten, ob ihre Partei mit der FPÖ koalieren würde. Die Vertreter und Vertreterinnen von SPÖ (Tanja Wehsely), Grünen (Albert Steinhauser), Liste Pilz (Alma Zadic) und NEOS (Christian Moritz) antworteten mit einem klaren Nein. Wehsely präzisierte auf Nachfrage (schließlich gibt es kein offizielles fixes Nein zu einer rot-blauen Regierung): Sie spreche hier für sich persönlich, aber auch für die Wiener SPÖ. Sollte es wider Erwarten dennoch eine Entwicklung in Richtung einer SPÖ-FPÖ-Koalition geben, werde sie alles tun, um eine solche zu verhindern. Und trete dieser Fall tatsächlich ein, werde sie aus der SPÖ austreten. "Ich sehe aber nicht, dass das kommen wird."