Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) Wien unterhält derzeit keine wie auch immer gearteten Beziehungen zur FPÖ: Es gibt keine Treffen mit FPÖ-Politikern und –Politikerinnen, diese werden auch nicht zu Veranstaltungen wie etwa Podiumsdiskussionen in der Wiener jüdischen Gemeinde eingeladen. Basis dafür ist ein immer noch aufrechter, viele Jahre zurück datierender Beschluss des Kultusvorstands.

Nun sind die Nationalratswahlen geschlagen das Ergebnis ist aus Sicht der Kultusgemeinde in zwei Punkten sensibel: Erstens das Scheitern der Grünen, die, wie IKG-Präsident Oskar Deutsch am Dienstag im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" betonte, fehlen werden. "Wann immer es um Antisemitismus, um Menschenhass ging, haben sich die Grünen sehr vehement eingesetzt, um gegen solche Strömungen anzukämpfen."

Der zweite Punkt: Eine allfällige Regierungsbeteiligung der FPÖ. Deutsch gratulierte am Dienstag sowohl ÖVP als auch SPÖ zu deren Ergebnissen, appellierte aber gleichzeitig an beide, keine Koalition mit den Freiheitlichen einzugehen. "Es gibt nun drei Möglichkeiten für eine Koalition. Und ich hoffe sehr, dass am Ende die FPÖ nicht in der Regierung sitzt."

"FPÖ politischer Arm der deutsch-nationalen Burschenschaften"

Erst vergangene Woche hatte Deutsch einmal mehr in einem öffentlichen Statement festgehalten, dass die FPÖ eine Partei sei, "die immer noch und immer wieder gegen Andersdenkende und Andersaussehende wettert, die Fremde als Bedrohung darstellt und die kleingeistige Nationalpolitik betreibt statt über europäische Lösungen zu reden". Die FPÖ wolle das Schächten verbieten und sei "der politische Arm der deutsch-nationalen Burschenschaften, die sich nicht vom Dritten Reich distanzieren. Antisemitische Anspielungen werden stets zu Einzelfällen erklärt. Eine Aufarbeitung der Parteigeschichte und ein klarer Bruch mit dieser Vergangenheit wurde nie gemacht".

Wie aber vorgehen, wenn die FPÖ doch der nächsten Regierung angehören wird? Dieser Punkt ist insoferne doppelt interessant, weil es bei dieser Nationalratswahl auffallend starke Unterstützung aus der jüdischen Community für die türkise ÖVP unter Parteiobmann Sebastian Kurz gab. Wird die Kultusgemeinde hier von ihrer bisherigen Haltung, keine Kontakte zur FPÖ zu pflegen abweichen? Dazu bedürfe es eines entsprechenden Beschlusses des Kultusvorstands, machte Deutsch klar. Derzeit gelte jedenfalls der Status quo.