Jung und alt: Erich Lederer, Sohn von Szerena und August Lederer, der bis in die 1970er Jahre mit der Republik Österreich um Herausgabe von Klimts Beethovenfries kämpfte, vor seinem eigenen Porträt von Egon Schiele.  - © Privat
Jung und alt: Erich Lederer, Sohn von Szerena und August Lederer, der bis in die 1970er Jahre mit der Republik Österreich um Herausgabe von Klimts Beethovenfries kämpfte, vor seinem eigenen Porträt von Egon Schiele.  - © Privat

Gustav Klimts Beethovenfries gilt als eines der Hauptwerke des österreichischen Künstlers. Bis heute ist er Teil der Sammlung des Belvedere, bis heute kann er in Wien besichtigt werden und lockt Jahr für Jahr tausende Besucher und Besucherinnen in die Secession. Immer wieder machte das monumentale Kunstwerk Schlagzeilen – zuletzt 2015 als der Kunstrückgabebeirat empfahl, den Fries nicht an die Erbengemeinschaft, welche Antrag auf Rückgabe gestellt hatte, zu restituieren.

Die Wiener Kunsthistorikerin Sophie Lillie zeichnet in ihrem eben erschienenen Buch "Feindliche Gewalten. Das Ringen um Gustav Klimts Beethovenfries" (Czernin Verlag) die Entstehung des Kunstwerks sowie dessen Besitzverhältnisse vor, während und nach dem Nationalsozialismus nach. Ihr Resümee ist bitter: Ja, der Staat Österreich kaufte dem Erben Erich Lederer den Beethovenfries schließlich in den 1970er Jahren ab. Aber: Erstens zu einem auch damals schon viel zu niedrigen Preis – und es wurde nie eine Ausfuhrgenehmigung erteilt. Dem damals bereits betagten Mann war nach Jahrzehnte langem Ringen nicht mehr viel anderes übrig geblieben, als hier einzuwilligen, zumal das Kunstwerk unter der Jahre langen unsachgemäßen Lagerung durch den Staat bereits gelitten hatte und dringend restauriert werden musste.

Nein des Kunstrückgabebeirats

Genau für solche Fälle sei das Kunstrückgabegesetz 2009 novelliert worden, argumentiert Lillie. "Dass Erich Lederer den Beethovenfries letztlich verkaufte, ist einzig und alleine dem Umstand geschuldet, dass die Republik Österreich die Ausfuhr seines Eigentums kategorisch verweigerte. Die Verhandlungen, die sich fast 25 Jahre hinzogen, zielten darauf ab, Erich Lederer dieses Einverständnis abzuringen. Somit wären die zentralen Voraussetzungen für die Restitution gemäß dem österreichischen Kunstrückgabegesetz in seiner Fassung von 2009 erfüllt gewesen. Dennoch entschied der Beirat, den Beethovenfries nicht an die Rechtsnachfolger von Erich Lederer zu übereignen." Der Kunstrückgabebeirat empfahl also keine Rückgabe – und der damalige Kunstminister Josef Ostermayer (SPÖ) folgte dieser Empfehlung.

Lillie – deren aktuelles Buch auf dem im Auftrag der Erben von Erich Lederer 2013 erstellten Gutachten basiert - prangert dabei vor allem den Umstand an, dass im Zug des Verfahrens niemand aus der Familie Lederer befragt wurde, obwohl sowohl Nichte als auch Neffe von Erich Lederer ihre persönlichen Erinnerungen über das Ringen um das Kunstwerk zu Protokoll geben hätten können. Die Antragsteller hätten aber auch nicht in die Unterlagen Einsicht nehmen können, auf deren Basis der Kunstrückgabebeirat schließlich seine Entscheidung fällte.