Am 15. November organisiert SOS Mitmensch eine Menschenkette rund um das Regierungsviertel, Treffpunkt ist um 18.30 Uhr am Ballhausplatz. Die Botschaft: "Schützen wir unsere Ministerien vor der drohenden Übernahme durch Rechtsextreme!" Und: "Ministerien sollten ausschließlich von Personen geführt werden, die nicht das Geringste mit rechtsextremen und neonazinahen Verbindungen am Hut haben. Darauf müssen wir pochen!" Die Menschenkette solle ein Signal an die Menschen in Österreich sein, "es liegt in unser aller Verantwortung, jeglichen Anfängen in Richtung Machtgewinn für rechtsextreme und neonazinahe Kreise zu wehren", heißt es in dem Demo-Aufruf.

Unterstützt wird diese Kundgebung von den Jüdischen Österreichischen HochschülerInnen (JÖH), die hier innerhalb der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien zur Teilnahme aufruft. Bei einer Podiumsdiskussion mit den Spitzenkandidaten beziehungsweise Sprechern jener sieben Fraktionen, die bei der Wahl des Kultusvorstands der IKG Wien am 19. November antreten, fragte JÖH-Co-Vorsitzender Benjamin Hess das Podium, wer gemeinsam mit der JÖH am 15. November am Ballhausplatz stehen werde. Es kam von allen Diskussionsteilnehmern, egal ob religiös oder säkular, aschkenasisch oder sefardisch, klare Unterstützung.

Gänzlich konfliktfrei geht es wohl in keiner Community zu – alle Fraktionen positionierten sich jedoch Dienstag Abend einmal mehr als Befürworter der Einheitsgemeinde, auch im Hinblick auf schwierige äußere Umstände. Dann sei es umso wichtiger, geschlossen aufzutreten, betonte etwa IKG-Präsident Oskar Deutsch, Spitzenkandidat der Fraktion Atid (Hebräisch: Zukunft).

Die künftige Regierungsbeteiligung der FPÖ sorgt bei allen Fraktionen für Unbehagen. Deutsch, der mehrmals an ÖVP und SPÖ plädiert hat, nicht mit den Freiheitlichen zu koalieren, betonte bei der Diskussion, er sei nicht davon ausgegangen, dass man auf ihn hören würde. Er habe sich aber in der Zukunft, wenn es rückblickend darum gehen werde, dass es eben eine Regierung mit Burschenschaftern in ihren Reihen gab, nicht vorwerfen lassen wollen, zu diesem Zeitpunkt geschwiegen zu haben.

Gegen Vereinnahmung

Dina Margules-Rappaport, Spitzenkandidatin der Liste Chaj – Jüdisches Leben, meinte, für sie persönlich sei der Gedanke, dass Österreich nun bald eine Regierung mit FPÖ-Beteiligung haben werde, "grauslich und erschreckend". Der neue Kultusvorstand müsse sich hier auf eine gemeinsame Linie einigen, wie man sich als Kultusgemeinde von dieser Regierung, vor allem aber von der FPÖ nicht vereinnahmen lasse. Am 15. November gehe sie demonstrieren – wie sie schon unter Schwarz-Blau regelmäßig an den Donnerstags-Demonstrationen teilgenommen habe.