"Season’s greetings" steht auf englischsprachigen Feiertagskarten und ich fand das schon immer eine wunderbar integrative Formulierung: Viele Menschen feiern Weihnachten, manche Chanukka, für andere ist es schlicht Winter. "Season’s greetings" schafft Verbindung und schließt niemanden aus. Und in einer Gesellschaft, die inkludiert statt auszugrenzen, ist es doch auch idealerweise so: Ich kann mich, selbst wenn ich nicht Weihnachten feiere, an der festlichen Beleuchtung in der Stadt erfreuen und zu Chanukka die Kerzen zünden, auch wenn dies viele meiner Freunde und Freundinnen hier nicht tun, sie aber dazu einladen, weil ich weiß, dass sie sich darüber freuen, genauso wie ich mich freue, wenn ich von jemandem, dem Weihnachten wichtig ist, ein Päckchen mit einem Buch geschenkt bekomme. Das macht eine offene Gesellschaft aus.

Kommende Woche zünden Juden und Jüdinnen weltweit die erste von acht Chanukka-Kerzen. Das Lichterfest bringt nicht nur ein bisschen Glanz und Wärme in den kalten und dunklen Dezember. Es erinnert auch an ein Wunder: Der historische Tempel in Jerusalem war zerstört und musste wiederaufgebaut werden. Nur wenig Öl war noch da, um den Leuchter anzuzünden und um neues anzufertigen, brauchte es acht Tage. Doch das wenige Öl reichte für diese acht Tage – und so zünden wir heute acht Tage lang die Chanukkalichter.

Keine Religionsgruppe lebt heute isoliert. Gilt es als Brauch, Kindern Chanukka-Gelt zu schenken, also Geld, von dem dann ein Teil für Wohltätigkeit gespendet werden soll (auch das eine feine und wichtige Tradition), schenken heute viele jüdische Familien – wohl auch in Anlehnung an die christliche Geschenkskultur zu Weihnachten – den Kindern kleinere oder größere Präsente, hübsch eingepackt. Meine Tochter bekommt acht Päckchen, auf jedem steht eine Zahl von eins bis acht, so weiß sie, an welchem Tag sie welches aufmachen darf und die übrigen bleiben bis zum Ende des Chanukkafests im Wohnzimmer auf dem Couchtisch drapiert liegen. Das schmälert auch etwas das jährliche Bedauern, dass es keinen Adventskalender gibt. Wie singt Adam Sandler in seinem legendären "Chanukah Song"?: "Chanukah is the festival of lights. Instead of one day of presents we have eight crazy nights."

Nicht jeder Wunsch ist jedoch materieller Natur: auch bei Kindern nicht. Manche Kinder wünschen sich einen guten Freund, andere, dass sich die Eltern besser vertragen, wieder andere, in der Schule gut über die Runden zu kommen. All das kann nicht gekauft und nicht in Päckchen verstaut werden: Weder zu Chanukka noch zu Weihnachten. Und wohl auch zu keinem anderen Fest. Aber mit dem Wünschen geht auch immer ein bisschen Hoffnung einher. Wer sich nichts mehr wünscht, hat die Hoffnung aufgegeben.