Ich freue mich schon aufs Kerzenzünden ab kommendem Dienstag. Das Sufganjot- und Latkes-Essen möchte ich heuer nicht ausufern lassen, doch für jedes Licht habe ich mir einen Wunsch überlegt. Keiner dieser Wünsche lässt sich mit einem Simsalabim verwirklichen. Aber jeder würde uns einer offenen und solidarischen Gesellschaft näher bringen. Das wäre das große Ziel, der größte Wunsch, sagen wir: Wunsch Nummer acht.

1. Ich wünsche mir, dass jeder Mensch in diesem Land das Nötigste zum Leben hat: Nahrung, ein (geheiztes) Zuhause, Kleidung, medizinische Versorgung. Damit das so ist, darf es keine Beschneidungen bei der Mindestsicherung geben. Menschen brauchen nicht weniger zum Leben, weil sie in einem anderen Land zur Welt gekommen sind. Und eine starke Gesellschaft kann es sich leisten, Bedürftige nicht hungern, nicht frieren, nicht auf der Straße leben zu lassen. Zumal es allen zugute kommt, wenn die Schwächsten nicht täglich ums Überleben kämpfen.

2. Ich wünsche mir, dass alle Menschen gute Chancen bekommen. Für Kinder heißt das: Ein Schulsystem, das alle mitnimmt und keine Mädchen und Buben als hoffnungslose Fälle aufgibt, nur weil ihre Eltern ihnen nicht helfen können. Wien hat hier mit der Ganztagsschule einen ersten guten Ansatz umgesetzt (auch wenn hier, zum Beispiel in Bezug auf das Lesenlernen, immer noch Verbesserungsbedarf besteht).

3. Ich wünsche mir, dass Hilfesuchende trotz allen Bedarfs eines Rechtsstaates, zu überprüfen, ob sie zum Beispiel Anrecht auf Asyl oder subsidiären Schutz haben, mit Respekt behandelt werden. Das Verfahren, wie es teils gehandhabt wird, degradiert sie zu mutmaßlichen Schwindlern und Betrügern. Das schafft zusätzliches Leid, Retraumatisierung, Verbitterung, die nicht nötig wäre.

4. Ich wünsche mir, dass Antisemitismus in dieser Gesellschaft keinen Platz hat, dass Rassismus nicht um sich greift, dass jeder auch in der Öffentlichkeit zeigen darf, wer er ist, ohne dafür angefeindet oder sogar angegriffen zu werden – ob mit Blicken, verbal oder tätlich.

5. Ich wünsche mir, dass Globalisierung nicht nur bedeutet, dass ich heute Produkte aus der ganzen Welt mit wenigen Klicks zu mir nach Hause bestellen kann, sondern die Welt wirklich als eine Einheit begriffen wird, in der sich Menschen hier auch für das zuständig fühlen, was Menschen anderswo widerfährt, wo Rohstoffe als gemeinsames Gut begriffen werden.

6. Ich wünsche mir, dass das Wohl von Menschen an erster Stelle steht und nicht das Befriedigen wirtschaftlicher und materieller Interessen.

7. Ich wünsche mir, dass Wünsche dieser Art nicht als naiv und lächerlich abgestempelt und als "Gutmenschentum" diffamiert werden, denn ja, der Begriff "Gutmenschen" ist zunehmend negativ konnotiert und alleine das sollte einem schon darüber zu denken geben, was in unserer Gesellschaft schief läuft. Einer Gesellschaft übrigens, die sich gerade in Österreich derzeit so sehr auf die "christlichen Werte" beruft und in der bald Weihnachten gefeiert wird, ein Fest, in dem es um die Herbergssuche armer Menschen geht, die mit einem Baby der Hoffnung Unterschlupf suchen. Es mag ein abgedroschenes Bild und schon oft bemüht worden sein. Doch wenn am Abend des 24. Dezember Menschen um den Christbaum stehen, dann sollte es im Kern darum gehen und nicht um verheißungsvolle Päckchen. So wie es zu Chanukka darum geht, sich an eine der vielen historischen Rettungen der Juden zu erinnern. Sich zu freuen, dass es uns immer noch gibt.

8. Ich wünsche mir, siehe oben, dass wir endlich in einer offenen und toleranten Gesellschaft leben. Dass die Ehe für alle nun wirklich kommt, ist hier ein Hoffnungsschimmer. Schon fast ein kleines Wunder. Dabei beginnt Chanukka doch erst nächste Woche.