Altstadt von Jerusalem in der Vorweihnachtszeit. - © Alexia Weiss
Altstadt von Jerusalem in der Vorweihnachtszeit. - © Alexia Weiss

Als sich abzeichnete, dass US-Präsident Donald Trump Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennt und bekannt geben würde, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu übersiedeln, dachte ich: unklug. Als es kurz darauf so weit war, habe ich nicht gejubelt und, ganz salopp gesagt, den fast schon nationalistisch anmutenden Jubel in meiner jüdischen Blase, ich konnte ihn nicht nachvollziehen. Bin ich deshalb eine selbsthassende, jüdische Linke? Mitnichten. Zweifle ich an Jerusalems Status? Natürlich nicht.

Jerusalem ist die Hauptstadt Israels. Daran ist nicht zu rütteln. Dass man sich darüber freut, wenn dieses Faktum auch anerkannt wird, kann ich nachvollziehen. Wie heißt es so schön? Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust. Natürlich ist es mir lieber, ein Staat anerkennt Jerusalem und steht hinter Israel als wieder einmal von einer Siegerehrung im Sport lesen zu müssen, bei der die Fahne bei der TV-Übertragung nicht eingeblendet wird und der gefeierte Sportler, die Sportlerin, die HaTikwa alleine singen muss.

Gesten sind eine schöne Sache, als solches könnte man Trumps Bekanntmachung ansehen. Aber. Wie diplomatisch ist es, so einen Schritt zu machen im Wissen, was das bei der Gegenseite auslöst? Wie diplomatisch ist es, etwas zu postulieren ohne vorherige Verhandlungen? Ohne vorheriges Abstecken einer Lösung für die gesamte Region?

Mechanismen sind bekannt

Was kommt sofort als Totschlagargument der Jubelnden: Das sei ein Relativieren. Oder: Die Erpressung müsse ein Ende haben. Relativieren würde meiner Meinung nach ein Beschönigen implizieren. Das liegt mir fern. Ich entschuldige nicht, was auf palästinensischer und arabischer Seite passiert. Gewalt ist niemals eine Lösung. Aber: Wenn ich so einen Schritt setze, wie ihn Trump nun gesetzt hat, dann ist klar, dass es zu Gewalt kommt. Die Mechanismen sind sattsam bekannt. Und dass das auch bedeutet, dass wieder unschuldige Menschen in Israel verletzt oder sogar getötet werden.

Ein Menschenleben ist für mich das höchste Gut. Alles, was dieses in Gefahr bringt, muss zig Mal überlegt werden. In Kauf zu nehmen, dass es zu einem Blutvergießen kommt, um ein, sagen wir, höheres Ziel zu erreichen, das kann ich als Grundhaltung nicht nachvollziehen. Vielleicht bin ich einfach unendlich feige. Vielleicht kommt wirklich nur der ans Ziel, der Opfer in Kauf nimmt. Mein Weg ist es nicht. Denn was bringt ein erreichtes Ziel, dessen Weg mit Blut gepflastert ist? Nachhaltigen Frieden? Das bezweifle ich. Und das ist doch das eigentliche Ziel. Nachhaltiger Frieden für alle in der Region Lebenden. Endlich ein sicheres Israel, endlich ein Palästina, in dem sich die Menschen wohl fühlen und eine Zukunft für sich sehen.