Alexia Weiss - © Paul Divjak
Alexia Weiss - © Paul Divjak

Ich habe noch die Stimmen im Ohr: Die Regierung sei demokratisch gewählt. Man könne doch nicht auf die Straße gehen, wenn sich eben eine Mehrheit der Bevölkerung für ÖVP und FPÖ entschieden hätten. Man solle die neue Wenderegierung einmal arbeiten lassen. Es sei ja immer noch Zeit zu protestieren, sollten Beschlüsse fallen, die zu kritisieren seien. Nun jetzt schon den Teufel an die Wand zu malen, sei Alarmismus und dieses ewige Geschreie von wegen fehlendem Geschichtsbewusstsein der freiheitlichen Partei: man könne es schon nicht mehr hören. Es brauche Veränderung. Und wenn Veränderung nur möglich sei, wenn die FPÖ in die Regierung komme, dann sei das zur Kenntnis zu nehmen.

Wesen der Burschenschaften ist bekannt

Dabei lag ja alles am Tisch. Wie oft hat zum Beispiel SOS Mitmensch auf die Verquickung von FPÖ und Burschenschaften hingewiesen. Die NGO veröffentlichte zudem in den Wochen vor der Wahl ein Dossier zu dem Thema. Dann das jüngste Buch von Hans-Henning Scharsach, "Stille Machtergreifung. Hofer, Strache und die Burschenschaften". Wer dieses Buch liest, weiß um die Zusammenhänge Bescheid.

Burschenschaften sind nicht irgendwelche schrulligen Traditionsvereine, die man als etwas verstaubt betrachten kann. Hier geht es um Ideologie. Hier geht es um ein Männerbild, das an sich schon den heutigen Geschlechterrollen widerspricht. Hier werden Menschen posthum verherrlicht, die sich in der NS-Zeit Verbrechen schuldig gemacht haben. Hier kann aber auch bis heute nicht jeder Mitglied werden.

Nein, "Arierparagraphen" gibt es offiziell keinen mehr. Wie man das Kind am Ende nennt, bleibt aber gleich. Juden sind bis heute in den schlagenden Burschenschaften nicht willkommen. Afro-Österreicher haben wohl auch wenig Aussicht auf Erfolg, sollten sie sich um einen Beitritt bemühen. Aus diesen Gruppen fänden sich wohl auch nicht viele, die in einer Burschenschaft dem Deutschtum huldigen wollen. Aber so ganz prinzipiell: Der Zugang zu diesen Zirkeln bliebe ihnen grundsätzlich verwehrt.

Der Liederbuch-Skandal

Wenige Wochen ist die Regierung im Amt und schon reiht sich in der FPÖ wieder "Einzelfall" an "Einzelfall". Jegliche Grenze überschritten hat dabei das durch den "Falter" bekannt gewordene Liederbuch der Burschenschaft "Germania zu Wiener Neustadt", welcher der Spitzenkandidat der FPÖ bei der am Sonntag stattgefundenen Landtagswahl in Niederösterreich, Udo Landbauer, bis zum Bekanntwerden dieses Eklats angehörte. Dem Sauflied "Es lagen die alten Germanen" wurden in dem Liederbuch ein paar Strophen angefügt. In einer heißt es: "Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: ,Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million.'"