- © Jacob Kohn/Muslim Jewish Conference
© Jacob Kohn/Muslim Jewish Conference

Mireille Knoll hat den Holocaust überlebt. Am Ende sollte sie dennoch eines gewaltsamen Todes sterben. Vergangenen Freitag wurde sie in ihrer Wohnung erstochen und das Apartment im 11. Pariser Arrondissement anschließend in Brand gesetzt. Ermordet und danach den Flammen preisgegeben. So wie es die Nationalsozialisten damals machten.

Der Mord, den die Behörden als antisemitisch einstufen, da Knoll zuvor mehrmals Drohungen eines Mannes, der ihr auf der Straße ankündigte, sie verbrennen zu wollen, der Polizei zur Kenntnis gebracht hatte, wurde nun nach aktuellem Ermittlungsstand nicht von einem Rechtsextremen verübt. Sondern mutmaßlich von einem muslimischen Nachbarn.

Hier zeigen sich Ähnlichkeiten zum Fall des Mordes an Sarah Halimi. Die damals 66jährige Ärztin war vergangenen April ebenfalls in Paris von einem Nachbarn ermordet und dann aus dem dritten Stock geworfen worden. Auch dieser Gewalttat waren antisemitische Beschimpfungen und Drohungen vorausgegangen.

Exodus aus Frankreich

Diese Woche feiern Juden weltweit Pessach. An den beiden Sederabenden zu Beginn des Festes wird die Geschichte des Auszugs der Israeliten aus Ägypten erzählt: Der Exodus. Ein Exodus ist aktuell auch aus Frankreich zu beobachten: Laut Jewish Agency wanderten in den vergangenen fünf Jahren an die 27.000 Jüdinnen und Juden von Frankreich nach Israel aus. In den fünf Jahren zuvor hatten weniger als 10.000 französische Juden Aliyah gemacht.

Eine, die schon vor 20 Jahren Paris verlassen hat, ist Noa Goldfarb, die Enkelin der nun ermordeten Mireille Knoll. In einer Facebook-Botschaft schreibt sie dazu, für sie sei bereits damals klar gewesen, dass ihre Zukunft nicht in Frankreich liege. "Nicht für mich und nicht für das jüdische Volk." Niemals habe sie aber gedacht, dass ein Familienmitglied schließlich von solchem Terror betroffen sein würde. Dadurch, dass der Täter – die Enkelin spricht von einem muslimischen Nachbarn, den die Großmutter gut gekannt habe – nach dem Mord die Wohnung in Brand gesteckt habe, blieben der Familie nun nicht einmal Fotos oder andere Erinnerungen. "Uns bleiben nur Tränen."

Tatsächlich hat der Antisemitismus in Frankreich Ausmaße erreicht, in denen sich Jüdinnen und Juden ihres Lebens nicht mehr sicher sein können. Mitten in Europa. Seit mehreren Jahren. Und die Politik scheint hilflos. 2006 wurde Ilan Halimi in einem Pariser Vorort von einer Gang muslimischer Jugendlicher gefoltert und schließlich ermordet. 2012 ermordete der Islamist Mohammed Merah in Toulouse bei einem Anschlag auf eine jüdische Schule drei Kinder und einen Lehrer. 2015 tötete der islamistische Attentäter Amedy Coulibaly vier Juden in einem koscheren Supermarkt in Paris.