Extremismus ist der Feind

Bei all diesen Taten forschte die Polizei also Muslime als Täter aus. Eindrücklicher kann man die Gefahr von muslimischem Antisemitismus nicht erklären. Und dennoch ist es nun nicht zielführend, sich auch in Wien vor jedem Muslimen zu fürchten, der einem auf der Straße begegnet. Denn erstens ist die Lage in Frankreich eine gänzlich andere als in Österreich und zweitens ist auch in Frankreich nicht jeder Muslime ein potenzieller Judenmörder. Es sind Extremisten, die zur Tat streiten. Und gegen die muss man vorgehen. Konsequent. Aus welchem Lager der Extremismus kommt, ist übrigens beim Kampf dagegen, irrelevant. Soll heißen: Nun Hass gegen Muslime allgemein zu schüren, das wird nur zu noch mehr Gewalt führen.

Hier kommt das berühmte "Wir gegen die anderen" ins Spiel. Wenn Menschen sich mit Ungeheuerlichem konfrontiert sehen, dann braucht es einen Schuldigen. Das ist verständlich. Man muss aber aufpassen, dass nicht stattdessen Sündenbockdenken greift. Genau das passiert momentan aber. Wer nicht Muslime generell verurteilt, ist naiv, verkennt die Realität. Wer darauf hinweist, dass die Gefahr von rechts weiter nicht gebannt ist, sitzt linker Ideologie auf. Wer nicht sagt, dass Muslime in Europa nichts verloren haben, ist im besten Fall Gutmensch, im schlechteren ein Verräter.

Ich würde mich freuen, wäre Mireille Knoll dieser schreckliche Tod erspart geblieben. Ich würde mich freuen, hätte dieses antisemitische Morden sofort ein Ende. Der Hass, den ich nun nicht nur lese, sondern der teils auch im Bekanntenkreis gegen Muslime formuliert wird (und gleichzeitig die Gefahr von rechts abgewiegelt wird, denn die FPÖ bemühe sich doch nun wirklich) wird die Situation allerdings nicht lösen. Der Staat, die Staaten müssen klar machen, dass Extremisten aller Art verfolgt und angeklagt werden. Der Staat, die Staaten müssen klar formulieren, wo die Grenzen liegen und zeigen, dass sie nicht überschritten werden dürfen. Und die Regierenden dürfen nicht sogar noch dazu beitragen, dass verschiedene Gruppen gegeneinander ausgespielt werden.

Feinde der gesamten Gesellschaft sind Extremisten: Rechtsextremisten, Linksextremisten, Islamisten. Letztere bedrohen übrigens auch Muslime, die sich ihrem Gedankengut nicht beugen. Feinde der Gesellschaft sind Menschen, welcher ideologischen Richtung auch immer, die andere in ihrer Freiheit einschränken und ihrer Rechte berauben. Daher gilt es für Frauenrechte einzutreten (und etwa weibliche Beschneidung noch konsequenter zu verfolgen), daher gilt es Männern mit einem Weltbild, das ihnen zugesteht, Frauen zu schlagen, klar zu sagen, nein, so nicht – egal, ob es sich beispielsweise um einen muslimischen Geflüchteten, um einen Österreicher mit türkischen Wurzeln oder einen Bauern in Niederösterreich handelt. Daher gilt es gegen Vorverurteilungen und gegen Diskriminierung anzugehen, die Wertvorstellungen geschuldet sind, die einem extremen Weltbild entspringen.

Ilja Sichrovsky schrieb zum Tod von Mireille Knoll im Namen der Muslim Jewish Conference (MJC), die er mitbegründete: "Das bricht unsere Herzen. Muslime und Juden in unserer Gemeinschaft trauern heute zusammen um ein weiteres Leben, das irrsinnigem Hass zum Opfer fiel. Lasst uns für eine Welt kämpfen, in der unsere Kinder nicht mehr mit diesem Wahnsinn konfrontiert sind." Wer sich auseinanderdividieren lasse, könne diesen Kampf aber nicht gewinnen. Es brauche Geschlossenheit gegen extremistische Ideologie, gegen Hass, Intoleranz, Rassismus, aber auch Bigotterie. "United we fight", betont Sichrovsky. Es war die Botschaft nach dem furchtbaren Mord, die mich am meisten angesprochen hat. "Kämpfen wir vereint."