"Echocaust"

Gefragt sind mehr solche Pädagogen. Gefordert werden muss aber auch, dass im Namen der Kunst gewisse rote Linien nicht überschritten werden dürfen – Antisemitismus ist eine davon. Antisemitismus ist keine Meinung und keine Haltung. Dass Musiker, die bewusst mit Judenfeindlichkeit oder unpassenden Anspielungen auf den Holocaust arbeiten, einfach weil das provoziert, weil man damit Aufmerksamkeit auf sich zieht, genau das dann auch erreichen, wenn sie am Ende für solche Formulierungen mit einem bekannten Preis ausgezeichnet werden, das sagt viel über den Zustand einer Gesellschaft aus. Ich kann den Rückzug Ben Salomos verstehen – wie lange kämpft man und wann sagt man, jetzt ist es genug. Das gebe ich mir nicht länger.

Menschen wie Kollegah seien der Grund dafür dass jüdische Jugendliche auf Schulhöfen gejagt und krankenhausreif geschlagen würden, prangerte der jüdische Comedian Oliver Polak in der Welt an. "Und ihr schaut stillschweigend zu, auch beim Echo, beim Begräbnis der Moral. Echocaust." Auch diese Botschaft sollte eigentlich aufrütteln.

Nein, diese Preisverleihung an Kollegah und Farid Bang war keine gute Idee. Wird hier nun eine Debatte in Gang kommen? Vielleicht. Wird sie etwas bewegen? Kaum. Das Phänomen Antisemitismus im deutschen Rap war ja eben seit Jahren weithin bekannt. Es hat nur niemanden gekümmert. Warum sollte das in Zukunft tatsächlich anders sein? Die beiden Rapper haben ihren Bekanntheitsgrad durch diesen Eklat auch noch massiv erhöht. Das steigert den Marktwert. Da muss man dann doch nicht jede Formulierung, jeden Halbsatz auf die Waagschale legen. Rap ist rau, Rap ist ehrlich. Ja, eben. Wenn eine Musikrichtung so stolz darauf ist, authentisch zu sein, wie das bei Rap der Fall ist, dann gibt es ein Problem. Dann ist Antisemitismus nämlich in dieser Szene tatsächlich gang und gäbe. Und durch Preisverleihungen wie der des Echo wird der Antisemitismus auch noch breit salonfähig gemacht.