Antisemitische Ressentiments sind alt, und auch der neue Antisemitismus schürt diese alten Ressentiments. Oft wird heute Israel vorgeschoben, wenn Antisemitisches ventiliert wird, die bekannte Israel-Kritik, die eigentlich doch Judenfeindlichkeit ist. Die Situation in Gaza ist für die dort Lebenden sicher teils unerträglich. Das oft vermittelte Bild einer israelischen Besatzung als alleiniges Übel greift aber dann doch zu kurz. Durch dieses Bild können aber Emotionen geschürt und Menschen in aller Welt aufgehetzt werden. Der jährliche Al Quds-Tag weiß davon viele Geschichten zu erzählen. Und es sind genau Events wie der Al Quds-Tag, die beitragen, diese Form des Antisemitismus in die muslimischen Gemeinden zu tragen.

Selbst schuld am Holocaust

Was Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas bei einer kürzlich gehaltenen Rede getan hat, war aber das Gestern mit dem Heute zu verknüpfen. Der Holocaust sei nicht durch Antisemitismus ausgelöst worden, sondern durch das "soziale Verhalten" der Juden, so Abbas laut Nachrichtenagentur Wafa. Als Beispiel nannte er das Verleihen von Geld. Die Juden waren also selbst schuld am Holocaust. Und wieder einmal wurde das Thema Reichtum ins Spiel gebracht.

Es ist ein Spiel mit dem Feuer, dass nicht nur die Situation in Gaza selbst nicht verbessert. Abbas zündelt damit in arabischen und muslimischen Gemeinden weltweit, gibt damit indirekt sein Okay, wenn Juden und Jüdinnen angepöbelt, verletzt oder sogar getötet werden. Sie sind ja selbst schuld. War damals so, ist heute so. Wegen ihres sozialen Verhaltens.

Und so ist es wichtig, dass sich die muslimischen Gemeinden hier klar positionieren. Global, aber auch in Österreich. Wohltuend ist da die aktuelle Kampagne der Muslimischen Jugend Österreichs (MJÖ) "MuslimInnen gegen Antisemitismus". Klare Worte fand heute aber auch Tarafa Baghajati, der Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen (IMÖ) auf seiner Facebook-Seite. Der Holocaust habe die Juden getroffen, weil sie Juden waren, und Roma und Sinti seien getötet worden, weil sie Roma und Sinti waren.

Es bleibt zu hoffen, dass solche Stimmen auch gehört werden, und dass es am Ende nicht jene etwa der Rapper Kollegah und Farid Bang sind, die sich durchsetzen. Deren Auszeichnung mit dem deutschen Musikpreis Echo zog auf Grund bedenklicher Lines in ihren Texten ("Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen") massive Debatten nach sich – die Preise werden nun künftig nicht mehr vergeben. Doch auch hier gibt es einen Funken Hoffnung: Das Internationale Auschwitz Komitee lud die beiden Musiker zu einem Besuch in der KZ-Gedenkstätte ein und Kollegah sowie Farid Bang sagten zu. Als Termin wurde der 3. Juni fixiert. Was sie im Anschluss an ihre Fans weitergeben, wenn sie denn etwas weitergeben, könnte viel bewegen.

Und so stellt sich einmal mehr die Frage nach zeitgemäßer Aufklärung, nach zeitgemäßem Gedenken. Die Befreiungsfeier in Mauthausen erreicht andere Menschen als das Spruchband in der Leopoldstadt, was im Schulunterricht gehört wird, kann leicht durch eine flammende Rede eines palästinensischen Politikers, die dank social media sofort weltweit abgerufen werden kann, konterkariert werden. Hier kann nur intensive Aufklärungsarbeit in den eigenen Communities helfen, aber nützlich sind eben auch Botschaften von Vorbildern und Multiplikatoren. So arbeitet beispielsweise die Initiative "Not in God’s Name", bei der sportliche Idole von Jugendlichen beim Kampf gegen Radikalisierung mithelfen. Vielleicht reißen die beiden deutschen Rapper ja nun noch das Ruder herum. Vielleicht.