Wer im Netz unterwegs ist und oft nach Inhalten mit jüdischem Bezug googelt, der bekommt sie immer wieder eingeblendet: Anzeigen von privaten Anbietern von Gentests, welche die eigene Herkunft aufschlüsseln. Mittels Speichelprobe wird ermittelt, woher die Vorfahren stammen, die Angabe erfolgt in Prozent. Das wahrscheinlichste Ergebnis: Eine bunte Mischung, da stammten vielleicht Ahnen aus dem heutigen Skandinavien, andere aus Mitteleuropa. Ausgewiesen wird aber etwa auch, dass man zu so und so viel Prozent aschkenasischer Jude oder Jüdin oder sogar ob ein Mann ein Cohen ist. Genau dieser Aspekt wird einem eingeblendet wenn man, siehe eingangs, oft nach Themen, die mit dem Judentum verbunden sind, sucht.

Alexia Weiss - © Paul Divjak
Alexia Weiss - © Paul Divjak

Und so stellt sich die Frage: Gibt es ein jüdisches Gen? Und schrammt man damit nicht nah an der Rassenlehre der Nationalsozialisten entlang? Es ist ein Gedanke, der so gar nicht behagt. Doch nein, es gibt kein jüdisches Gen. Der Test kann vielmehr Haplogruppen erkennen. In diesen werden Menschen mit denselben oder ähnlichen DNA-Merkmalen zusammengefasst, so wird eine geografische Herkunftszuordnung möglich. Manche Haplogruppen weisen auf eine jüdisch-aschkenasische oder jüdisch-sefardische Herkunft hin. Erklärbar ist das damit, dass die jüdische Bevölkerung jeweils unter sich blieb und es so große Übereinstimmungen bei den DNA-Merkmalen gibt.

Es gibt aber natürlich auch Jüdinnen und Juden, bei denen ein solcher Test keine jüdische Herkunft aufzeigen würde. Wer etwa adoptiert wurde oder wenn Vorfahren zum Judentum übergetreten sind, bei dem finden sich in der DNA keine Hinweise auf jüdische Ahnen vor Jahrhunderten. Denn jüdisch kann man ja nicht nur per Geburt sein, man kann auch zum Judentum konvertieren. Rabbiner erkennen Ergebnisse solcher Gentests auch nicht an. Hier gilt wie schon seit eh und je: Laut Halacha, dem jüdischen Recht, ist jüdisch, wer von einer jüdischen Mutter geboren wurde oder wer zum Judentum übergetreten ist.

Die Sache mit den Prozenten

Bei dieser Konzeption entfällt auch das Bewerten von Prozenten. Die Halb- und Vierteljuden, die sind, obwohl die Begriffe bis heute immer wieder unreflektiert verwendet werden, Nazi-Diktion. Das Judentum kennt nur ganze Juden. Entweder man ist jüdisch oder nicht. Das – siehe Eintrag der vergangenen Woche – schmerzt so manchen jüdischen Vater, der Kinder mit einer nichtjüdischen Partnerin hat. Das schmerzt aber auch so manches Kind aus solch einer Beziehung, das sich zwischen allen Stühlen fühlt, weil es ein Erbe (und nicht selten auch eine Verfolgungsgeschichte) mit sich trägt, aber von der jüdischen Gemeinde nicht anerkannt wird.