Gerät das Thema Schächten in den medialen Fokus gibt es – abseits parteipolitischer Implikationen wie aktuell – zwei Elemente, die den Diskurs stets bestimmen: Zum einen generell das Anprangern von Schlachtung und Fleischkonsum durch Vegetarier und Veganer. Das kann ich als jemand, der selbst kein Fleisch konsumiert, durchaus nachvollziehen. Zum anderen wird die Grausamkeit der Schlachtmethode Schächten angeprangert - und das wird dann nicht nur von Tierschützern so artikuliert. Der Tenor: Wir leben ja nicht im Mittelalter. Damit wird dann auch Stimmung gemacht – gegen Menschen beziehungsweise Gruppen von Menschen, die demnach nicht in der Gegenwart angekommen sind. Und nennen wir die Dinge doch gleich beim Namen: Es wird Stimmung gemacht gegen Juden und gegen Muslime.

Dem Wiener Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister gefällt übrigens der in diesem Zusammenhang oft benutzte Ausdruck "rituelles Schlachten" gar nicht, wie er mir dieser Tage erklärte. Warum? "Rituelles Schlachten impliziert, dass es sich um ein Tieropfer handelt. Das Judentum kennt aber seit der Zerstörung des Zweiten Tempels in Jerusalem keine Tieropfer mehr." Koscheres Schlachten diene heute einzig der Gewinnung von Lebensmitteln nach den Vorgaben der jüdischen Speisegesetze (Kaschrut). Und im Gegensatz zu dem, welche Assoziationen die Worte "rituelles Schlachten" und "schächten" in den Köpfen vieler erwecken, ist einer der zentralen Gründe, warum im Judentum so geschlachtet wird, wie geschlachtet wird, das Bemühen, Tierleid zu vermeiden, betont Rabbiner Hofmeister.

Gerade, was Lebensmittel anbelangt, gibt es heute allgemein – Stichwort: gesunde Ernährung – eine Rückbesinnung auf Ursprüngliches. Auf eine Landwirtschaft, die ohne chemische Hilfsmittel auskommt. Auf Bauern, die ihre Hühner im Freien leben lassen und deren Rinder auf der Weide grasen. Fleisch, Milch, Eier, Gemüse, die so produziert werden, sind als Bio-zertifzierte Lebensmittel nicht nur nachgefragt, Konsumenten zahlen auch gerne mehr dafür als etwa für Fleisch aus Massentierhaltung. Sieht man sich die Produktion von koscherem Fleisch an, gibt es hier viele Elemente, die das Schnitzel oder den Braten zum Bioprodukt veredeln. Denn: Wenn wir über das Schächten sprechen, geht es eben nicht nur um den so verpönten Schnitt, der Luft- und Speiseröhre durchtrennt. Die Produktion von koscherem Fleisch umfasst so viel mehr.