Alexia Weiss - © Paul Divjak
Alexia Weiss - © Paul Divjak

Politiker und Politikerinnen kreieren immer neue Superlative. Sprache muss plakativ sein, Sprache muss es auf den Punkt bringen. So manche Wortschöpfung hinterlässt einen allerdings staunend bis unangenehm berührt. Oder wütend. Wobei Wut und Aggression wiederum die Ingredienzien des aktuellen politischen Diskurses vor allem in Zeitungsforen und sozialen Medien sind und der Verdacht nahe liegt, dass die Sprachsuperlative vor allem auch dazu da sind, heftige Emotionen auszulösen. Wenn ein Begriff bei den einen für Wut sorgt, dann spricht er andere gut an. Man erreicht sie. Und ist das nicht Ziel jeder politischen Kommunikation?

Die deutsche AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch bezeichnete nun die Grün-Mandatarin Katrin Göring-Eckardt, die angesichts des aktuell heißen Sommers auf Twitter auf den Klimawandel verwies, in einem Tweet als "Klimanazi". Ich möchte hier gar nicht thematisieren, wie eigentümlich ich es empfinde, dass es Parteien gibt, die etwas, was die Wissenschaft seit Jahren belegt, vom Tisch wischen, weil sie nicht die daraus resultierenden nötigen Schritte – Stichwort Klimaschutz – setzen wollen. Es geht mir an dieser Stelle nur um den Begriff Klimanazi.

Ein Nazi ist Anhänger des Nationalsozialismus, inklusive Rassentheorie, inklusive Gutheißen der Vernichtung von Juden, Roma, Homosexuellen, Menschen, die physisch oder psychisch nicht völlig der Norm entsprechen, von politisch Andersdenkenden, von Gegnern dieses politischen Extremismus. Was macht Beatrix von Storch, Vertreterin einer rechten Bewegung? Sie verwendet den Begriff Nazi als Synonym für jemanden, der ihrer Meinung nach extrem ist, der versucht etwas, was ihm wichtig ist, durchzusetzen. Der jemanden mit einem Thema – sagen wir es überspitzt und umgangssprachlich - terrorisiert. In diesem Fall ist es der Klimaschutz. Die Grünen sollen also aufhören, alle mit dem Thema Klimawandel verrückt zu machen. Sie sind durch ihr diesbezügliches Verhalten aus der Sicht Storchs Extremisten. Sie sind Nazis. Klimanazis.

Vergleichen ja, gleichsetzen nein

Seit Jahren setzen wir uns als Gesellschaft nun damit auseinander, dass es möglich sein muss, Vergleiche anzustellen, was aber nicht heißt, Dinge gleichzusetzen. Die Rahmenbedingungen von Flucht heute erinnern an die Rahmenbedingungen von Flucht in den 1930er und 1940er Jahren. Dennoch ist die Zeit heute nicht mit jener von damals gleichzusetzen. Der Holocaust ist einzigartig. Dennoch hätten sich mehr Menschen damals in Sicherheit bringen können, wenn andere Länder mehr Aufnahmebereitschaft gezeigt hatten. Stichwort Konferenz von Evian.