Ein sonniger Sonntag Nachmittag in Kärnten lud ein zu einem Besuch eines Wahrzeichens des südlichen Bundeslandes: Der Burg Hochosterwitz. Malerisch liegt die Anlage, deren Anfänge um 860 datiert werden, weithin sichtbar auf einem 175 Meter hohen Kalkfelsen. 14 Tore sind vom Besucher zu durchschreiten, ehe man vor der eigentlichen Burg steht. Es geht bergauf, die Sonne scheint, da kommt ein Schluck Wasser gerade recht. Etwas unterhalb der Festung gibt es kurz nach einem Stand, an dem Holzkunst feilgeboten wird, etwas abseits einen Wasserhahn. Und dann fällt der Blick an die Wand dahinter. Und da prangt es: Ein Hakenkreuz.

So stehen lassen oder entfernen? Ein Hakenkreuz auf der Außenanlage der Burg Hochosterwitz in Kärnten. - © Alexia Weiss
So stehen lassen oder entfernen? Ein Hakenkreuz auf der Außenanlage der Burg Hochosterwitz in Kärnten. - © Alexia Weiss

Und man sieht es sich genau an, erkennt, das muss schon älter sein, sieht, da wurde auch schon versucht, drüberzumalen, da sind Schemen eines weißen Quadrats sichtbar, und denkt sich trotzdem: Da ist ein Hakenkreuz. Fällt das niemandem auf? Stört das niemanden? Kann man das einfach so stehenlassen, und das an einem Ort, der jedes Jahr nicht nur von Touristen und Familien aus der Umgebung, sondern auch von Schulklassen besucht wird?

Rasch kommt die Debatte um das große Hakenkreuz in Kraig in den Sinn, wo Burgbesitzer und Denkmalschutz seit Jahren um eine Lösung ringen. Hinweisschildern zu den Kraiger Schlössern begegnet man auf den Straßen, die zur Burg Hochosterwitz führen. Da wie dort scheinen sich die Hakenkreuze zu Burggeistern entwickelt zu haben. Was auch immer an Tarnungsversuchen passiert, nach einigen Jahren treten sie wieder in ihrer ursprünglichen Gestalt hervor.

Die Burg Hochosterwitz ist seit Jahrhunderten im Besitz der Familie Khevenhüller. Seit acht Jahren ist Karl Khevenhüller-Metsch der Burgherr. Ich bitte Burgverwaltung und Burgherrn zwei Mal per Mail um Antworten zu dem Hakenkreuz. Schließlich rief Khevenhüller-Metsch am gestrigen Donnerstag zurück.

Er bestätigte den Eindruck, den man hat, wenn man vor dem Hakenkreuz steht: Es datiere in die Zeit des Nationalsozialismus zurück. Sein Großvater und sein Vater hätten mehrmals versucht, es zu übertünchen, aber es werde immer wieder sichtbar. Welche Farbe oder Technik hier verwendet worden sei, sei ihm nicht bekannt. Er habe auch andere Sorgen, als dieser Frage auf den Grund zu gehen.

"Fass ohne Boden"

Die anderen Sorgen: Der Burgbetrieb mit 20 Mitarbeitern und ständigen Erhaltungs- und Restaurierungsarbeiten sei defizitär. Jährlich verliere er zwischen 100.000 und 250.000 Euro, trotz der vielen Besucher. "Und wenn man alle Schmierereien ausmerzen will, dann ist das ein Fass ohne Boden." Das Hakenkreuz bei der Wasserstelle sei nämlich nicht das einzige Ärgernis. Es gebe auf der ganzen Burg Graffiti und Beschmierungen, auch Dollfuß-Zeichen oder Maria Mutter Gottes-Zeichen seien darunter. "Es gibt sogar eine Inschrift aus dem 18. Jahrhundert." Dazu komme, dass der Putz aus dem 16. Jahrhundert stamme. "Wenn ich den Putz abhaue, bekomme ich Probleme mit dem Denkmalschutz."

Aber ein Hakenkreuz, sei das nicht doch etwas anderes, etwas Gravierenderes als eine andere Schmiererei, will ich von dem Burgherrn wissen. Nicht zuletzt sei da ja auch das Verbotsgesetz (wiewohl es sich, wie jedenfalls Khevenhüller-Metsch eingangs betonte, um ein Hakenkreuz aus der NS-Zeit handelt, und da läge der Tatbestand der Wiederbetätigung nicht vor). Als ich das Wort Verbotsgesetz ausspreche, wird der Burgherr emotional: "Es soll nur einer kommen und sagen, ich verstoße gegen das Verbotsgesetz. Denn wenn ich dann mit einem Presslufthammer den Putz herunterhole, dann stehe ich in den Medien als Vandale da. Und was würde der Denkmalschutz sagen?"

Würde einer seiner Mitarbeiter heute Nazi-Sprüche von sich geben, würde er diesen sofort kündigen, betont Khevenhüller-Metsch. "So etwas ist untragbar." Aber Geschichte sei Geschichte. Und hier Dinge immer wieder aufzuwühlen, "was will man damit erreichen". Und: "Fahren Sie nach Indien, da haben sie überall Hakenkreuze." Aber sei das nicht etwas völlig anderes? Nein, meint der Burgherr. Die Ideologie des Nationalsozialismus, die Verfolgung von Juden, das sei aber natürlich abzulehnen. Wie auch heute jegliche Verfolgung bestimmter Personengruppen abzulehnen sei.

Über Prioritäten

Das Hakenkreuz an der Außenbefestigung auf dem Weg zur Burg Hochosterwitz wird wohl auch künftig sichtbar sein. Wie Khevenhüller-Metsch in dem Gespräch klar machte, sei es zwar ein Ärgernis, die Entfernung habe aber angesichts der finanziellen Probleme keine Priorität. Nun ist Prioritätensetzung eine individuelle Angelegenheit und ja, wenn ich ein Hakenkreuz sehe, dann hat das Klären der Hintergründe und am Ende die Entfernung höchste Dringlichkeit. Es mag sein, dass manche das als persönliche Befindlichkeit abtun, doch das sehe ich anders. Der Umgang mit der NS-Zeit ist keine persönliche Befindlichkeit. Und an einer Sehenswürdigkeit wie der Burg Hochosterwitz sollte einfach kein Hakenkreuz prangen. Da muss es doch eine Lösung geben, die auch im Einklang mit dem Denkmalschutz steht.