Genesis, in Noten gegossen

"Ich bin ein religiöser Jude", sagt Baruch Berliner über sich. "Aber Gott ist so abstrakt, so fern" und er habe sich lange die Frage gestellt, "wie kann man ihn lieben?" Als er seine Frau kennenlernte, habe er erfahren, wie. "Ich bin auch der Ansicht, dass es nicht zufällig ist, dass ich sie traf." Für diese Verbindung zu Gott danke er ihr. Lange habe er dann überlegt, wie er seine Faszination für die Tora auch anderen vermitteln könne. Und dann kam die Musik ins Spiel. Er komponierte Musik, die bestimmte Passagen der Bibel beschreibt: "Genesis", "Abraham" und "Jakobs Traum". Ein Stück zu Isaak ist im Werden. Bei der Aufführung der Symphonien werden jeweils die dazugehörigen Texte vorgetragen.

Das Oratorium "Genesis" wird diesen Sonntag zum ersten Mal mit deutschem Text aufgeführt. Im MuTH im Augarten wird die Judaistin, Autorin und Sprecherin Schulamit Meixner aus der Tora vortragen. Der Nachmittag mit dem Titel "Biblical Symponies – Jüdische Musik goes Klassik" steht im Zeichen des 70. Geburtstag Israels und von Leonard Bernstein, der vor 100 Jahren geboren wurde. Neben Berliners ""Genesis" werden auch Bernsteins Symphonie Nr. 1 "Jeremiah" sowie Viktor Ullmanns Variationen und Fuge über ein Hebräisches Volkslied zu hören sein.

Berliner reist zu dem Konzert (das in Kooperation mit IKG Kultur veranstaltet wird) mit seiner Frau Ruhama und seinem Freund Nachum Slutzker nach Wien. Slutzker sei nicht nur sein Manager, sondern helfe ihm auch beim Abstimmen der Kompositionen. Worauf er sich abseits der Erstaufführung seines Oratoriums in deutscher Sprache freut? Auf eine Besichtigung der Zwi Perez Schule, die seine Mutter und ihre Geschwister besucht hatten und die von seinem Großvater gefördert worden war, wie Berliner mir erzählte. Die Schule wurde Jahrzehnte nach der Schließung durch die Nationalsozialisten von der Wiener jüdischen Gemeinde neu gegründet. Berliner wird sich aber auch auf den Weg zum Zentralfriedhof machen. Dort ist sein Großvater begraben, der ihm von seiner Familie als besondere Persönlichkeit beschrieben worden sei. "Ich bin nach ihm benannt."